Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 6 (1903)
- Article
- Mittheilungen aus dem Briefwechsel zwischen Zunz und Kaufmann
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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129 eintraf. Wenn ich Sie uw eine Liebe bitten darf, so ist es bie, die Pausen zwischen Ihren Antworten ein wenig zu verkürzen. Vor allem muß ich mit einer Frage Herausrücken. Aus einer Anzeige erfuhr ich, daß in der allgemeinen deutschen Biographie einige Artikel von Ihnen herrühren. Wenn dies der Fall ist und etwas bereits gedruckt worden, so würden Sie mich erfreuen, wenn Sie die betreffenden Artikel bezeichnen wollten. Haben also die Herren doch den Weg in Ihre Einsamkeit gefunden? Ich für meinen Theil muß es übrigens bestreiten, daß Ihr Name wenig gekannt sei. Vor Allem muß man zugestehen, daß wahre, strenge Forscher auch in den übrigen Wissenschaften der Menge unbekannt bleiben. Was weiß der gebildete Pöbel von F. A. Wolf, Gauß, Weber u.A.? Wenn nicht die Lüsternheit dabei ein wenig ihre Rechnung fände, wären Darwin's und Häckel's Schriften ebenso ungelesen. Die Juden sind nicht einmal die ersten. Wer weiß unter den Gojim vom Doctor Angelicus^), aber wer unter uns kennt nicht den Namen des ״Nambam"2)! Daß man mit jedem Jahrhundert den Ihren mehr schätzen wird, liegt in der Natur der Sache und gehört doch nicht gerade zu den Unerträglichkeiten. Ich wage sogar. die Behauptung, daß noch nie ein Jude beim Leben von seinen hartnäckigen Volksgenossen so ungetheilte Verehrung gefunden als eben Sie. Mich hat es jüngst tief gerührt, als S. Sachs etwas spät Ihres Geburtstages mit glühenden Worten im Hamagib1 2 3) — haben Sie die Nummer erhalten? — gedachte. Der geniale Mann läßt übrigens keine Gelegenheit vorübergehen, ohne seiner kindlichen Verehrung für Sie Ausdruck zu geben. Weniger gefällt mir die Art in der jüngst in seiner neuesten Marktarbeit, der große, kleine Cassel4 5) sich über Sie ausgesprochen hat. Wann werden unsere Schreiber die Persönlichkeiten aus dem Spiele lassen? War es nöthig Rapoport nach dem Tode in einem Handbuch zu beschimpfen 5)? Hier hat man es übel ausgenommen, daß er unsere Anstalt, die erste jüdische Regierungsschule in Oesterreich, an der er so dienstbeflissen ״fetirt" wurde, so neben hin be- 1) Thomas v. Aquino. 2) — Maimonides. 3) Bd. XXII, S. 321. 4) Cassel, David, Lehrb. der jüdischen Geschichte und Litteratur, S. 522 f. Ich kann übrigens daselbst in seinen Aeußerungen nichts Ungebührliches finden. 5) Gemeint ist wohl die Bemerkung S. 522 oben. Sie mag unangebracht sein. Aber als eine ״Beschimpfung nach dem Tode" wird sie doch wohl kaum zu gelten haben. 9