Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 6 (1903)
- Article
- Mittheilungen aus dem Briefwechsel zwischen Zunz und Kaufmann
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3111067-3111078-3112170--1608-3112311- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
128 Ich , wünsche Ihnen freie Beweglichkeit für das linke Bein, wie ich derselben für wein rechtes bedarf. Mögen Sie ungestört im Freien sich ergehen können und bald mit dieser Nachricht erfreuen Ihren, Sie allezeit verehrenden David Kaufmann. 60. Zunz an Kaufmann. Ich habe gar nichts zu melden und dennoch schreibe ich gleich den Privilegien, die essen, trinken, spielen, reisen und schlafen. Regieren nennen. Sie haben eine Thätigkeit und sind jung und gesund; was soll ich, dem diese drei Güter fehlen, melden? In Firkowitsch waren zwei widerstrebende Kräfte: die Liebe zur Litteratur und die Dienstbeflissenheit für Karäismus; wo letztere die Oberhand hatte, da ward F. ein Fälscher. Der Schriftsteller Eberly hat 50 Jahre seines Lebens *) geschildert und zu sagen vergessen, daß er ein geborener Jude, ein Nachkomme von Ephraims) ist. Im Hause seiner Tante, Mad. Saisette Herz, war ich hier drittehalb Jahre Lehrers. Die heutigen jüdischen Barone stehen außerhalb der Wissenschaft: Leute meines Schlages kennen sie gar nicht: sie lesen auch deren Bücher nicht. Wir Autoren werden ihnen erst ein Jahrhundert später bekannt. Moses wird heute abgebildet und verfabelt. Seine Zeitgenossen hätten ihn beinah gesteinigt. Aus diesen Nachrichten, die nichts Neues sind, mögen Sie wohl beurtheilen, wie arm und unproductiv mein jetziges Leben ist, so daß ich um Entschuldigung bitten müßte, mit so leeren Briefen zu vergelten. Um also nicht Sünde auf Sünde zu häufen, gebiete ich der Feder, sich zur Ruhe zu begeben. Auch für mich habe ich diesen Wunsch; allein ehe solcher erfüllt wird, hoffe ich noch ein Schreiben zu erhalten, das allerlei Interessantes meldet dem Ihnen mit Achtung und Theilnahme ergebenen Berlin, 26. November 1878. Zunz. 61. Kaufmann an Zunz. Am Rande notirt Zunz: erh. 1. Dez., beantw. 27. Bpest, 29. Nov. 1878. Ich war schon im Begriffe, Ihr langes Stillschweigen durch eine erneute Herausforderung zu brechen, als Ihr w. Schreiben x) In seinen ״Jugend-Erinnerungen eines alten Berliners" (Berlin 1878). 2) Nämlich dem Münzjuden Beitel Ephraim, b) Und zwar von Mitte November 1815 bis zum 28. März 1818r vgl. May bäum, Aus dem Leben von Leopold Zunz, S. 3, woselbst hiernach: ״wahrscheinlich" zu streichen ist.