Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 6 (1903)
- Article
- Sein Blut komme über uns
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 4)
- Language
- German
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85 — Kinder, Vers 5 Die Hohenpriester und Ältesten der Juden dagegen protestieren, etwas mit dein Verfahren gegen Jesus Christus zu thun zu haben. Als nämlich, von Gewissensbissen geplagt, Judas zu den Hohenpriestern und Ältesten spricht: 4) „Ich habe übel gethan, daß ich unschuldig Blut verraten habe", antworteten diese: „Was gehet uns das an? da siehe du zu." Hierbei sei besonders daraus hingewiesen, daß die Ältesten und Hohenpriester Judas wörtlich ebenso zurufen: „Da sehe Du zu" wie Pilatus dem jüdischen Volk. Uber den Anteil der Juden an der Kreuzigung Christi*) sind die Evangelien durchaus nicht klar. Schon dem Verfasser des Johannes-Evangeliums sind Bedenken gekommen, weil Christus nach der Verkündigung am Kreuz sterben sollte, andrerseits die Kreuzigung keine jüdische Hinrichtungsart ist. Es heißt nämlich Joh. 18,31, 32: 31. „Da sprach Pilatus zu ihnen: „So nehmet ihr ihn hin und richtet ihn nach eurem Gesetz." Da sprachen die Juden zu ihm: „Wir dürfen niemand töten." 32. „Auf daß erfüllet würde das Wort Jesu, welches er sagte, da er deutete, welches Todes er sterben würde." Auch aus Joh. 19. 10 geht deutlich hervor, daß die Römer die eigentlichen Gerichtsherrn waren. Als Christus beim Verhör keine Antwort giebt, „da sprach Pilatus zu „ihm: Redest du nicht mit mir? Weißt du nicht, daß ich „Macht habe, dich zu kreuzigen und Macht habe, dich los- „zugeben?" Zu demselben Ergebnis führt die Episode von der Begnadigung des Barrabas. In allen vier Evangelien wird erzählt, daß Pilatus die Gewohnheit hat, den Juden zum Festtag (Ostern) einen Gefangenen freizugeben, daß er ihnen *) Es sei bei dieser Gelegenheit auf folgende Schriften aufmerksam gemacht: a) Haben wirklich die Juden Jesum gekreuzigt? Von Dr. Ludwig Philippson, Leipzig. M. W. Kaufmann. b) Den Artikel Jesus Christus in Hamburgers Realencyclopädie (Strelitz, im Selbstverlag des Verfassers). c) Cliisuk Emunah. des karäischen Rabbiners Rabbi Jizohak Troki, überseht von David Deutsch, Lohrau 1873. — Eine Übersetzung befindet sich auch in Wagenseil's: Tela ignea Satanae.