Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 6 (1903)
- Article
- Das altjüdische Schulwesen
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 76 (sequence 29)
- Language
- German
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76 wenn durch solche Erforschung der Sprache auch das Verständnis der heiligen Schrift in das richtige Geleise gebracht wurde: so gebührt der Dank für diese in der Geschichte der Wissenschaften und in der Geschichte des religiösen Fortschrittes so bedeutsamen Thatsachen jenen anspruchlosen und treuen Bewahrern der heiligen Texte, den Bibellehrern der altjüdischen Schule, die, indeni sie ihres Amtes walteten, gleichzeitig den größten Schatz der menschlichen Gesittung, den lebenspendenden Quell der Religion und Sittlichkeit in seiner Reinheit hüteten. Von dem Maaße der im Bibelunterrichte erlangten Kenntnisse zeugt die gesetzliche Bestimmung, daß auch Minderjährige, Knaben, die das dreizehnte Lebensjahr noch nicht erreicht haben, in der Synagoge zum Vorlesen der pentateuchischen und prophetischen Abschnitte und zum Vortragen des Targums, der'Uebersetzung in die aramäische Volkssprache zugelassen werden.'"^) Der Kirchenvater Hieronymus spricht im vierten Jahrhundert mit großem Erstaunen von der Bibelfestigkeit der palästinensischen Juden und hebt besonders hervor/"') daß sie schon vom frühen Kindesalter an mit dem Inhalte der heiligen Schrift vertraut werden und zum Beispiel die Personen der biblischen Geschichte von Adam bis Lrubabel so pünktlich zu nennen wissen, als würden sie nach dem eigenen Namen gefragt. — Die gottesdienstlichen Vorträge, die in jenen Zeiten der Gemeinde geboten wurden und von denen eine reiche Auswahl auf uns gekommen ist, bezeugen es ebenfalls, welche Vertrautheit mit den biblischen Texten die Prediger bei ihren Zuhörern voraussetzen durften. Die Traditionskunde, der Lehrgegenstand der zweiten Stufe im Jugendunterrichte hatte sich schon früher in drei Disziplinen oder Fächer geteilt, die zusammen die Mischna im weiteren, älteren Sinne dieses Wortes bilden. Die Namen dieser drei Fächer, deren Festsetzung in einer vereinzelten Angabe auf die Männer der großen Versammlung zurückgeführt wird/"") haben einen vertrauten Klang für i«) Mischna Megilla 4, 5 f. 105) Zur Epistel an Titus 3, 9 (bet Krauß ib ). 106) Jer. Schekalim c. 5 Ans.