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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1903-01-01 · 6 (1903) · p. Seite 74

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
6 (1903)
Article
Das altjüdische Schulwesen
Date
1903-01-01
Page
Seite 74 (sequence 27)
Language
German
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reiche Fülle der schönsten Aussprüche, von denen auch nur einen Teil anzuführen ich mir leider versagen muß. Dasselbe gilt von den Regeln über die Kunst des Lehrens, die namentlich den an das Gedächtnis die höchsten Ansprüche stellenden Unterricht in der Txaditionskunde zum Gegenstände habe. Nur eine seine Beobachtung, wenn man so sagen darf, didaktischer Physiognomik sei hervorgehoben/^s) laut welcher das Gesicht des Lehrenden für jeden der vier Lehrgegenstände, von denen sofort die Rede sein wird, einen andern Ausdruck zeigt. Ein ernstes, feierliches Gesicht gehört zum Unterricht in der heiligen Schrift, ein ruhiges Gesicht zu dem in der Mischna, ein lebhaftes bewegtes zum Talmud, ein heiter lächelndes zur Agada. IV. Das Buch der Psalmen enthält eine Dichtung, die man als das poetische Programm der altjüdischen Schule betrachten darf. Es ist der 119. Psalm, merkwürdig durch seine Form — er bietet nämlich akrostichisch in achtmal zweiundzwanzig Versen achtinal die Buchstaben des Alphabets dar — und noch merkwürdiger durch seinen Inhalt. Denn trotz seines ungewöhnlichen Umfanges bringt dieser Psalm nur eine Empfindung zum Ausdruck: die Hingebung an Gottes Wort, die Begeisterung für Gottes Lehre und ihre Satzungen. Wer immer der Dichter dieses Psalmes war, in seinem Herzen hatte bereits die Richtung, in der sich seit Esra's Tagen das Judenthum entwickelte, der leitende Gedanke des aus ihr hervorgegangenen Schulwesens einen lebensvollen Enthusiasmus entzündet. Die dichterische Eintönigkeit dieses längsten aller Psalmen kündigt gleichsam jene großartige Einseitigkeit an, in welcher sich das altjüdische Schulwesen entfaltete. Es hat inallen seinen Stufen nur ein Lehrziel: das Studium der Thora. Der Name Thora bezeichnet allerdings nicht nur die Lehre Moses, den Pentateuch, sondern die ganze jüdische Lehre, wie sie das Bewußtsein ihrer Anhänger als 103a) Pesikta 110a, Pesikta r. c. 20 (101b). Mass. Soferim 16, 2.

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