Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 6 (1903)
- Article
- Das altjüdische Schulwesen
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 26)
- Language
- German
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— 73 — Wahrscheinlich auf den Mißbrauch des dem Lehrer zustehenden Rechtes der Züchtigung. Von der Unterbrechung der Schulzeit durch längere Ferien ist nichts zu lesen. Vielmehr galt es als Grundsatz, und zwar als Ueberlieferung des Patriarchenhauses, daß der Jugendunterricht nicht einmal um der Erbauung des Heiligthums willen unterbrochen werden dürfe. Jedoch erging am Ende des dritten Jahrhunderts in Palästina an die Bibel- und Mischnalehrer die Verordnung, zur heißesten Sommerszeit in den letzten Vormittags- und ersten Nachmittagsstunden die Schüler freizugeben?9) Andererseits wird aus derselben Zeit berichtet, wie ein angesehener Gelehrter in Liberias es dem Lehrer seiner Kinder verübelte, daß er sich zur Zeit der Weinlese dreitägige Ferien gestattete.^) Der Unterricht begann, wie es auch der Kirchenvater Heronymus hervorhebenswertfindet/"") am frühenMorgen und wurde durch die Mittagspause unterbrochen. In einer agadischen Dichtung des vierten Jahrhunderts^) findet sich ein offenbar aus dem Leben genommener Zug: die Mutter wäscht dem Ende, bevor es in die Schule geht, das Gesicht und geht dem aus der Schule Kommenden mit frohem Gruße entgegen. Eine andere Dichtung^) läßt über den Schulkindern, die aus der Schule gehen und zur Mahlzeit dem Elternhause zueilen, als Himmelsstimme die Worte aus Koheleth^) ertönen: „Gehe hin und iß dein Brot in Freuden; denn Gott hat an deinem Thun Wohlgefallen!" Ueber die eigentliche Aufgabe der Schule, das Leruen und Lehren, und über das gegenseitige Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler sowie das in dem altjüdischen Schulwesen besonders wichtige Verhältnis der Studiengenossen und Mitschüler enthalten unsere Quellen eine ungemein 97) 2b. 98) Echa r. z. 1,3 Ende (Samuel b. Nachman); Schocher tob. zu Ps. 91, 6 (Samuel b. Jizchak). ") Kethuboth 111b (Simon b. Lakisch). 10°) Zu Jesaja 19, 14 (angeführt bei Krauß, Nr. 75 M.Zs.Szemle VH, 339j. 101) Pesikta rabb. c. Ende (Tanchuma b. Abba). Koheleth rabb. z. St. (Acha). K®) Koheleth 9, 7.