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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1903-01-01 · 6 (1903) · p. Seite 72

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
6 (1903)
Article
Das altjüdische Schulwesen
Date
1903-01-01
Page
Seite 72 (sequence 25)
Language
German
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72 Ebenso bezeichnend ist folgende palästinensische Anekdote.^) Der große Meister von Tiberias, Rabbi Jochanan, traf einmal in einem Orte den Schullehrer schlafend an. Dieser, zur Rede gestellt, entschuldigte sich damit, daß er faste. Da sagte Jochanan: Wenn es bei einer Arbeit, die man für Menschen leistet, verboten ist zu fasten, weil damit die Leistung geschädigt wird, um wievieles eher ist es unstatthaft zu fasten, wenn man dadurch die für Gott zu leistende Arbeit beeinträchtigt. — In demselben Sinne wurde der im Buche Jeremias"") zu lesende Ausruf: Verflucht sei, wer Gottes Arbeit lässig vollbringt! auf den seiner Pflicht nicht strenge nachkommenden Jugendlehrer angewendet?st Im Geiste der biblischen Paedagogik"') konnte die altjüdische Schule die körperlichen Strafen als Zuchtmittel nicht entbehren. Aber das Uebermaß in der Anwendung solcher Strafen war verpönt. Der ebengenannte Jochanan verbot den Bibel- und Mischnalehrern für die heißen Sommertage die körperliche Züchtigung der Schüler gänzlich?") Aus dem vierten Jahrhundert wird folgende Anekdote erzähltest Die Magd eines vornehmen Hauses in Tiberias ging an einer Synagoge vorüber und bemerkte, wie ein Bibellehrer ein Kind mehr, als nötig war, schlug. Da rief sie in ihrer Entrüstung aus: Möge jener Mann mit dem Banne belegt sein! Der auf so unerwartete Weise mit dem Banne Behaftete kam zum Rabbi A ch a und fragte ihn um Bescheid hinsichtlich der Giltigkeit eines solchen Bannspruches. Er erhielt die Antwort, daß er sich als im Bann befindlich betrachten müsse, weil er durch sein unerlaubtes Vorgehen denselben verdient habe. — Der schon öfters genannte Rab bezog das Psalmwort :95) „Vergreifet euch nicht an meinen Gesalbten" auf die Schulkinder'^ und zielte damit höchst- W) Jer. Demai 266. 93) Irrem. 48, 10. 31) Baba Bathra 21 b. 32) S. Proverbra 13, 24. «») Echo r. zu 1, 7 Ende. 31) I. Moed Katan 81 ä. 3S) Ps. 105, 15. 33) Sabbath 118 b.

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