Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 6 (1903)
- Article
- Das altjüdische Schulwesen
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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66 Kenntnis der Traditionen einzuführen. Wenn Akiba einen Satz in der Bibel erlernt hatte, zog er sich in die Einsamkeit zurück und grübelte über die Bedeutung jedes Buchstaben; ebenso dachte er später über die gelernten Traditionssätze nach. Dann stellte er an seine Lehrer Fragen und machte ihnen Einwände. So bemächtigte sich Akiba allmählich des ganzen Wissensstoffes und wurde zum größten Meister der Lehre in Israel. Zwei Einzelheiten dieser Erzählung verdienen besondere Aufmerksamkeit: der Gebrauch von Tafeln als erstes Lehrmittel und der Beginn des Bibelunterrichts mit dem dritten Buche Moses. Die Tafeln, auf die das Alphabet in allerlei Buchstabengruppen geschrieben war, werden auch sonst in den Quellen erwähnt?") Die Einführung in die Geheimnisse des Alphabets war naturgemäß der Anfang des Leseunterrichtes, mit welchem ohne Zweifel auch der Schreibunterricht verbunden war. Gelegentlich findet sich einmal eine Anspielung darauf, daß der Lehrer beim Schreibunterricht dem Schüler die Hand führte."") In der bekannten Anekdote beginnt auch Hillel die Unterweisung des Proselyten mit dem Alphabete und lehrt den zweifelnden Schüler die Thatsächlichkeit einer überlieferten Lehre dadurch erkennen, daß er die Notwendigkeit der Ueberlieferung über die Bedeutung der Buchstaben und ihrer Reihenfolge anerkennen muß. Außer den Lesetaseln dienten als Lehrmittel auch kleine, mit einzelnen Abschnitten des Pentateuchs beschriebenen Rollend) Von einem Schullehrer wird berichtet, er habe mißbräuchlicherweise zum Zwecke des Unterrichtes Stücke aus der Thorarolle herausgeschnitten."") Was die Verwendung des Leviticus im Elementarunterricht betrifft, so war es ein sehr alter Brauch, das Lesen der Bibel in der Schule mit diesem Buche zu beginnen; denn schon im dritten Jahrhundert kann ein bedeutender Geb») S. Tanchmna, angeführt vom Or. Zarua, citirt von Friedmann in der Einleitung zur Mechiltha p. XXXIV. 60) Schir rabba ju 1, 2. 61) S. die in Anm. 59 citirte Stelle. W) I. Megilla 75d.