Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 6 (1903)
- Article
- Das altjüdische Schulwesen
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 11)
- Language
- German
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58 sie wirklich von Josua ben Gamala ausging, in den bald darauf folgenden Kriegsjahren verwirklicht werden und Früchte zeitigen können, so daß ihr, wie der Gewährsmann jener Tradition sagt, zu danken ist, daß die Thora in Israel nicht in Vergeßlichkeit gerieth? Und dann, sollte es ein Träger des Hohepriesteramtes, das längst seines Ansehens verlustig und außer Zusammenhänge mit den treibenden Kräften der Nation war, sollte es ein Hoherpriester gewesen sein, der den Grundgedanken der von den Pharisäern, den Erben der alten Schriftgelehrten, vertretenen Richtung mit der Verallgemeinerung des Jugendunterrichtes zum Siege führte? Einer solchen geschichtlichen Unwahrscheinlichkeit gegenüber ist es gestattet, an dem Wortlaute der Tradition eine Berichtigung vorzunehmen, durch welche die so wichtige Aufgabe in ihren wahren historischen Zusammenhang gerückt wird. Es hat hier, so erlaube ich mir anzunehmen, eine Namensverwechselung stattgefunden. Die Ueberlieferung sprach ursprünglich nicht von Josua ben Gamala, sondern von einem älteren Träger des Namens, von Josua ben Perachja. Josua ben Perachja wirkte zur Zeit des hohepriesterlichen Herrschers Johannes Hyrkan als Haupt der Schriftgelehrten, als Leiter der damals zum erste Male unter dem Namen Pharisäer an das Licht der Geschichte hervortretenden großen Partei, die erst gegen Ende der Regierungszeit Hyrkans ihren Einfluß und ihre Macht an die Partei der Sadducäer abtreten mußte. Zu jener Zeit hat der durch die Erhebung der Makkabäer und ihre Siege hervorgerufene religiöse und nationale Aufschwung Judaea's seinen Höhepunkt erreicht. Eine solche Zeit war, wie keine, für eine so sehr im Geiste des Pharisäerthums liegende Maßregel geeignet, wie es die Verbreitung des Schulunterrichtes über das ganze Land war. Aber auch die einzige Aeußerung Josua den Perachjas, die auf die Nachwelt gekommen ist, läßt ihn als ganz besonders geeigneten Urheber einer Maßregel über das Schulwesen erscheinen. Sein Wahlspruch, wie er in den Sprüchen der Väter^) zu lesen ist, bezieht sich nämlich auf 37) Ml sch na Aboth 3, 11.