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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1903-01-01 · 6 (1903) · p. Seite 56

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
6 (1903)
Article
Das altjüdische Schulwesen
Date
1903-01-01
Page
Seite 56 (sequence 9)
Language
German
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56 gäbe, die in jenem Grundsätze den führenden Männern gestellt wurde. Denselben Grundgedanken dürfen wir auch in einer Erzählung der Chronik erkennen. Wir lesen da/°) daß König Josaphat ein zumeist aus Leviten bestehendes Kollegium, eine Art von Lehrkommission aussandte, um das Volk in allen Städten des Landes aus dem Buche der Thora zubelehren. Der Verfasser der Chronik läßt in dieser Erzählung gleichsam die Aufgabe, die sich Esra und seine Nachfolger vorgesteckt haben, bereits durch den König Josaphat ausführen, und er schreibt, wie das oft geschieht, die Verwirklichung des ihm selbst, dem eifrigen Leviten, vorschwebenden Ideals einer glorreichen Vergangenheit zu. Daß sich dieses Ideal einer das ganze Land, alle Städte Judäas in. sich begreifende Lehrinstitution nun allmählich verwirklichte, meldet eine höchst interessante Tradition, die in lapidarer Kürze eine Geschichte des öffentlichen Jugendunterrichtes in Palästina darbietet. Diese Tradition hat zum Gewährsmanne Rab, die größte Autorität Babyloniens im dritten Jahrhundert, einen großen Freund und Förderer des Schulwesens; aber sie geht jedenfalls auf alte palästinensische Ueberlieferung zurück. Die Tradition lautet:31) Im Anfänge unterrichtete jeder Vater selbst seinen Sohn; dem Vaterlosen wurde kein Unterricht zu Teil. Später verordnete man, daß in Jerusalem Schulen eingerichtet werden, in welche auch die Kinder aus der Provinz hinaufgebracht werden mußten. Nachher erhielt jeder Bezirk seine Schule; aber die Schüler kamen schon im reiferen Alter von sechszehn bis siebzehn Jahren zur Schule, sie wurden, wenn der Lehrer seine Strenge zeigte, widerspenstig und blieben weg. Endlich verordnete Josua ben Gamala, daß in allen Ortschaften des Landes33) Kinderlehrer angestellt und die Kinder im Alter von sechs bis sieben Jahren zur Schule gebracht werden. So künstlich konstruirt die Geschichte des Schulwesens »>) n. Chron. 17, 7. 31) Baba Bachra 21a. W) Die Worte „in jeder Provinz" fehlen in einigen Handschriften und alten Citaten und sind durch die Analogie von Esther 8, 17 (vgl. 9, 28) in die Talmudstelle gerathen.

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