Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 6 (1903)
- Article
- Litterarische Jahresrevue
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 29)
- Language
- German
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43 kommene Gabe sein. Es war zu erwarten, daß der jüdische Sagenschatz endlich einmal gehoben wird, und man darf sich darüber freuen, daß er einen so geschickten Schatzgräber gefunden hat. Auf dem Gebiete der Schullitteratur ist auch nicht viel Neues zu verzeichnen, höchstens neue Ausgaben alter vortrefflicher Werke, wie der biblischen Erzählungen von Auerbach von den Berliner Lehrern Auerbach, Guttmann und Hanfs, ferner der Erzählungen aus den heiligen Schriften von B. H. Flehinger durch B. Kuttner und des Sondheimer'fchen Pentateuch für den Schulgebrauch durch I. Eschelbacher; auch die Schrift von L. K a tz, Pstichten des Barmizwah, wird für den israelitischen Konfirmanden von Wert sein. •* Ä- Aus den Regionen des ästhetischen und religiösen Empfindens gelangen wir schließlich — allerdings nur durch einen kühnen Sprung — in die Eisregion der Politik. In Deutschland sind die Stimmen des Hasses und die Töne des Kampfes Gott sei Dank fast völlig verstummt; nur selten tritt noch ein Nachzügler auf den Plan. In jedem Fall verdient die Schrift des wackeren Pfarrers Dr. Frank, welche Nachträge zu seiner Brochüre gegen den Ritualmord bringt, ehrenvolle Erwähnung. Auch eine Flugschrift von Georg Wolfs: An das Gewissen des deutschen Volkes darf nicht unberücksichtigt bleiben; sie bietet viel gutes Material zum Kampf und zur Antwort auf alle Angriffe der Antisemiten. Dasselbe gilt von der Flugschrift von W- Münz: Ritualmord und Eid. Den Judenkampf ums Recht hat I. Singer, der Herausgeber der jüdischen Encyklopädie, in scharfer Weise präcisiert. Unverdientes Aufsehen erregte die Schrift von Walther Rathenau, Impressionen und die Antwort, welche S. S e e l i g in seinen Reflexionen darauf gegeben hat, ist ebenso würdig wie schlagend. Der Zionismus hat in diesem Jahre an Streitschriften nur wenig hervorgebracht. Mir ist außer der Schrift von Ch. S ch a i, Der Zionismus im Dienste der Civilisation, nichts Wesentliches bekannt geworden. Die Juden in Rumänien haben in Bernard