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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1903-01-01 · 6 (1903) · p. Seite 30

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
6 (1903)
Article
Litterarische Jahresrevue
Date
1903-01-01
Page
Seite 30 (sequence 16)
Language
German
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— so — er hat sich den freien Blick für die Erscheinungen der Zeit bewahrt und obwohl er aus den Ergebnissen der modernen Bibelkritik schöpft, versteht er es doch, die Lehre Jesu in einer andern Weise auszulegen, die vielen Beifall gefunden hat. Im Anhang giebt er zwei Studien über Natur und Naturwissenschaft, sowie über Tierschutz und Tierethik in der Bibel, die wir allen Lesern empfehlen. Auch sonst mehren sich die Schriften, die von einem andern Standpunkt als dem des kirchlichen Dogmas aus die Erscheinung Christi und seine Tendenzen auffassen. Ich nenne, nur die Schrift von F. Mauser, der auch die Grundlehre einer neuen Kirche aufstellt, in die nach seiner Meinung die Juden „vielleicht im großen und ganzen" eintreten würden. Dieser Ansicht sind wir nun allerdings nicht, aber die Schrift bleibt doch trotzdem ein charakteristischer Beitrag für die Strömungen und Bestrebungen unserer Zeit, in der der Drang nach Wahrheit und Erkenntnis mitunter seltsame Formen annimmt, immerhin aber die besondere Aufmerksamkeit und Teilnahme der Gebildeten beansprucht. Auch die neue Ausgabe des Toldot Jeschu, jenes unglückseligen Buches, das den Juden von jeher mehr Ärgernis bereitet hat als den Christen, die S. Krauß mit gewohnter Akribie besorgt hat, muß hier erwähnt werden. Die Frage, ob eine solche Arbeit in diesem Augenblick opportun sei, ist eine müßige und kann wohl nur von solchen aufgeworsen werden, die noch immer nicht begreifen, daß die Wissenschaft Selbstzweck, und daß wir Juden nichts, absolut nichts zu verheimlichen haben, sondern nur den einzigen Wunsch hegen, daß unser gesamtes Schrifttum im vollen Lichte der Oeffentlichkeit stehe und dadurch allein allen Vorurteilen gegenüber unüberwindlich sein möchte. * H & Unmerklich gelangen wir so auf gebahnten Wegen in die talmudische Periode. Von der deutschen Talmud-Übersetzung von Lazarus Goldschmidt sind wieder einige Lieferungen (Bd. VII, Sanhedrin) erschienen- Man muß den Mut bewundern, mit welchem der junge Autor fast ohne jede Förderung, sondern im Kampf mit scheinbar unüberwindlichen

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