Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1903-01-01 · 6 (1903) · p. Seite 29

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
6 (1903)
Article
Litterarische Jahresrevue
Date
1903-01-01
Page
Seite 29 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3111067-3111078-3112165--1504-3112212
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

29 Die Urgeschichte des Christentums ist auch diesmal mit besonderen Eifer studiert und. behandelt worden. Auch schon bei der oberflächlichen Lektüre der einzelnen Schriften wird man die Gründe erkennen, welche gerade in unserer Zeit, die auf vielen Gebieten mit jener eine verzweifelte Ähnlichkeit hat, zum Studium dieser Geschichtsperiode führen. Vom wissenschaftlichen Standpunkte aus ist das Werk von W. Bousset: Die Religion der Juden im neutestamentlichen Zeitalter, das wichtigste. Es bietet manche neue Gesichtspunkte und basiert auf eingehendem Quellenstudium, aber der Standpunkt ist natürlich derselbe, den die moderne Theologie bisher behauptet hat. Die Beurteilung der Juden, des „Gesetzes", ist auch hier nicht um einen Schritt weiter gekommen. Da muß man doch sagen, daß Holtzmann mit seiner Arbeit über die jüdische Schriftgelehrsamkeit zur Zeit Jesu weit objektiver, ja unter allen christlichen Theologen neben Schürer und Strack sich als der objektivste erwiesen hat. Seine Ansichten über die Pharisäer sind doch ganz andere, als die bisher in christlichen Gelehrtenkreisen geltenden; er sieht in den Rabbinen die Erben und Nachfolger der Propheten, die Männer, die die Ideale der prophetischen Vordern fortgebildet haben. Das ist ein großer Fortschritt, wenn man an die Zeit zurückdenkt, wo Abraham Geiger gegen hervorragende christliche Theologen seine Polemik gerade nach dieser Richtung hin führen mußte. Es ist von Interesse, daß man jetzt auch auf jüdischer Seite anfängt, sich mit den Problemen jener Zeit eingehender zu befassen. Das Buch von Harris Weinstock: jfesus the Jew ist ein wertvoller Beitrag zu der Frage, wie die modernen Juden zu dem Stifter der christlichen Religion und seinem messianischen Ideal sich stellen. Von einem anderen Gesichtspunkte aus betrachtet Wolfgang Kirchbach, ein angesehener deutscher Schriftsteller, die einschlägigen Fragen. Sein Buch: Was lehrte Jesus? ist in zweiter und verbesserter Auflage mit dem Anspruch aufgetreten, auch ein Buch für die Fachtheologen zu sein. Seine Schlußfolgerungen können allerdings nur diejenigen mitziehen, die auf dem Standpunkt der unbedingten freien Wissenschaft stehen. Kirchbach ist kein Theologe von Beruf,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.