Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 6 (1903)
- Article
- Litterarische Jahresrevue
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 14)
- Language
- German
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— 28 Die Litteratur der Apokryphen und des Hellenismus ist auch diesmal sehr reich bedacht worden. Kein Wunder! Denn gerade aus diesen Schriften holen sich ja die nichtjüdischen Fachgelehrten gemeinhin das ganze Material für die Beurteilung des Judentums im Zeitalter Christi — weil ihnen das andere Material eben unzugänglich ist und bleiben wird. Wie wenig berechtigt dies aber sein mag, zeigen viele Untersuchungen über diese Schriften. Das Hauptinteresse nehmen noch immer die Sirach-Funde in Anspruch. Man staunt, wenn man eine Zusammenstellung dieser Litteratur liest. Allein an Texten und Ausgaben werden zehn aufgeführt, die andere Litteratur ist bereits eine so umfangreiche geworden, daß sie nur noch schwer zu übersehen ist. Wir freuen uns, daß auch jüdische Forscher mit Eifer sich an diesen Studien beteiligt haben. Wir nennen nur Bacher, Blau, Chajes, Frankel, Halevy, Kaatz, Margoliouth, Adler, Gaster, Krauß, Landauer, Müller, Perles, Margulis und vor allem natürlich Schechter selbst. Es ist anßerordentlich erfreulich, daß auch das grundlegende Werk für all diese Studien das eines Juden ist, nämlich die Ausgabe der Sirachfunde von Israel Levi. Auf katholischer Seite hat N. Peters das Buch untersucht, übersetzt und mit einem Kommentar versehen, der von einer gründlichen Vertiefung in die sprachlichen Eigentümlichkeiten und in den sachlichen Wert des Werkes zeugt. Ebenfalls von katholischer Seite ist ein Kommentar mit einer lateinischen Uebersetzung von I. Knabenbauer erschienen; den Nachweis eines Metrums und der Strophenbildung in den Fragmenten hat H, Grimme auf Grund eingehender Untersuchungen zu führen versucht. Ueber das Buch der Weisheit hat E. Feldmanu, über die griechischen Daniel-Zusätze undihre kanonische Geltung M. Julius gearbeitet, die Schrift von M. Rosenbaum: Altjüdische Romane und Novellen in griechischer Sprache tritt mit der Hypothese auf, daß einzelne dieser Apokryphen wie Judith, Tobith, Susanna u. a. zu den Romanen gehören, welche in Alexandrien und Kleinasien in der römischen Periode und der Blütezeit der Novelle entstanden seien. Von der neuen Ausgabe der Werke Philos durch Cohn und Wendland ist der vierte Band erschienen.