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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1903-01-01 · 6 (1903) · p. Seite 26

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
6 (1903)
Article
Litterarische Jahresrevue
Date
1903-01-01
Page
Seite 26 (sequence 12)
Language
German
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26 Jastrow nicht so weit geht wie Delitzsch und Winkler, welch letzterer den Einfluß der babylonischen Kultur derartig hoch einschätzt, daß er in der Umgestaltung der Mythen, Legenden und der Kosmologie des gesamten Altertums die Wirksamkeit jenes mythologisch-astrologischen Systems erblicken will, daß er nicht nur den Monotheismus der Hebräer, sondern sogar auch den Islam von den babylonischen Theologen inspiriert sein läßt. Aber auch Jastrow ist der Ueberzeugung, daß babylonische Mythen, Ueberlieferungen und Vorstellungen in verhältnismäßig sehr früher Zeit ihren Weg zu den Völkern gefunden haben. Ein rechtes Verständnis des alten Testaments sei uumöglich, wenn man nicht die Keilschriftlitteratur berücksichtige. Was sonst zum Verständnis der Bibel in diesem Jahre geleistet worden, läßt sich kurz.zusammenfassen. Die beiden großen Kommentare von Marti und Nowack schreiten ihrem Ende entgegen; die Kommentare von Siegfried zu Esra, Nehemia und Esther, von Holzhey über Esra und Nehemia und von Bertholet über dieselben Bücher, der Kommentar von Happel zu Nachum, der von Gallee zu Daniel, die zweite Auflage des Jesaia von Duhm, vor allem aber der Hiob von Delitzsch, der wohl geeignet ist, uns mit seinen babylonischen Phantasien auszusöhnen, erschließen das Verständnis der heiligen Schrift nach verschiedenen Richtungen. Außerdem sind noch folgende Arbeiten zu nennen: Kaulen: Der biblische Schöpfungsbericht, Kautzsch: Die Poesie und die poetischen Bücher des alten Testaments, Giesebrecht: Deuterojesaias, Torge: Aschera und Astarte, Eugen Müller: Der echte Hiob, Wilhelm Riedel: Alttestamentliche Untersuchungen, Georg Jacob: Das hohe Lied auf Grund arabischer und anderer Parallelen von Neuem untersucht — eine Arbeit, die wohl viel Widerspruch Hervorrufen wird — Kirkpatrick: Untersuchungen zu den Psalmen, Harper: Hoheslied, Baudissin: Einleitung in die Bücher des alten Testaments, Engert: Der betende Gerechte der Psalmen, Holborn: DerPentateuch im Lichte unserer Zeit, Kelso: Die Klagelieder, Loisy: Utuckes bibliques. Das sind so die erwähnenswertesten Arbeiten auf dem weitverzweigten und immer weiter sich verzweigenden Gebiete der Bibelkritik.

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