Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 6 (1903)
- Article
- Litterarische Jahresrevue
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 11)
- Language
- German
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25 in Babylonien seßhaft gemacht haben und denen Hammurabi, ein Zeitgenosse Abrahams, angehörte. Es braucht wohl nicht erst gesagt zu werden, welche Bedeutung diese Hypothese hat. Glücklicherweise steht sie auf thönernen Füßen, denn sie geht von einer eigentümlichen Deutung des Wortes Illu aus, welche von den semitischen Philologen gründlich zurückgewiesen wurde. Es ist vielmehr eine historische Thatsache — und wir eitleren hier am besten wieder Eduard König — „daß der Monotheismus weder in Babylonien noch in Südarabien erwachsen und überhaupt bei keiner semitischen Völkerschaft außer in dem die prophetische Religion bekennenden Israel zum Siege gelangt ist". Man sieht, die Angriffe des berühmten Assyriologen auf unsere größten Heiligtümer haben einen erfreulichen Erfolg gehabt, den nämlich, daß sich ernsthafte Forscher nunmehr fragen: Wird es nicht endlich Zeit werden, das, was israelitisch ist, aus Israel selbst zu erklären? Das ist ein Erfolg, den wir nicht hoch genug anschlagen und für den wir Herrn Delitzsch nicht genug dankbar sein können. Ich schließe mit den schönen Worten König's, die auf einer tief begründeten wissenschaftlichen Überzeugung beruhen: „Ja, Babel ist gewiß der Ausgangspunkt vieler Kulturelemente, für nähere und entferntere Gebiete, aber die Religion, dieser abschließende Faktor aller Kultur besitzt ihre klassische Kultur in der Bibel. Babel mag immerhin „das Hirn Vorderasiens" genannt werden, aber was den Lebenspünkt der Bibel bildet, das guoll aus einer weltüberragenden Erfahrung, und es wird doch dabei bleiben: in Babel strebte die Menschheit zum Himmel, in der Bibel ragt der Himmel in das arme Menschenleben hinein." Daß wir die umfassendste Arbeit über die Religion des Euphrat-Thales im Berichtsjahr gerade einem Juden verdanken, der unbeschadet seines Judentums auf dem Boden streng objektiver Forschung steht, erfüllt uns mit aufrichtiger Genugthuung. Das Buch von Morris Jastrow jr. über die Religion Babyloniens und Assyriens, welches die Fachmänner schon seit längerer Zeit kannten und schätzten, erscheint jetzt in einer vom Verfasser vollständig durchgesehenen und überarbeiteten deutschen Uebersetzung. Es ist natürlich, daß