Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1903-01-01 · 6 (1903) · p. Seite 21

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
6 (1903)
Article
Litterarische Jahresrevue
Date
1903-01-01
Page
Seite 21 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3111067-3111078-3112165--1496-3112204
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

21 bildliche Vorstellung ab und erkannte als die Art und Weise, wie Gott sich den Menschen mitteilte, blos die geistige an. „Wie konnte aber das, was der Geist dem Geiste mitteilte, anders seine Form erhalten als in Worten und diese wie anders aufbewahrt werden als in Schriften?" Man begreift daher, wenn die Rabbinen in ihrer Weise allegorisch diesen Gedanken sinnreich dadurch ausdrücken, daß sie sagen, die Lehre sei der ganzen Schöpfung vorangegangen. Wenn das Judenthum also von seinem Ausgangspunkte an den Geist im Gegensatz zur Materie unbewußt im Auge behält, wenn sein Wesen und sein Beruf darin besteht, das Geistige von dem Materiellen zu trennen und ersteres zur Herrschaft zu bringen, bis es die ganze Menschheit erfüllt, so ergiebt sich aus alldem mit innerer Naturnotwendigkeit die Konsequenz, daß ebenso wie das griechisch-römische Heidentum der bildenden Kunst, das Christentum mindestens der Mitwirkung der schönen Künste zur Entfaltung bedurfte, so erheischt das Judentum geistige Ausströmungen in Wort und Schrift, eine Litteratur, eine Wissenschaft, die von ihm unzertrennlich ist und seinen charakteristischen Ausdruck darstellt. Man sieht also, daß die Frage über das Wesen des Judentums mit reiflicher Ueberlegung allen andern vorangestellt wurdedenn alle Ideen und Auffassungen, Wahrnehmungen und Erfahrungen, d'ie im Gebiete der jüdischen Lehre und des jüdischen Lebens sich kund gaben oder jemals Raum gewonnen, sind integrierende Teile des Judentums und müssen in dessen Litteratur eine Vertretung finden. Die Preisaufgabe über das Wesen des Judentums führt uns mit logischer Konsequenz zu ihrem Ausgangspunkte zurück. Der Kampf gegen Adolf Harnack und dessen beständig in neuen Auflagen erscheinende Schrift hat auch in diesem Jahre nicht aufgehört. Inzwischen hat Harnack ein neues Buch herausgegeben, in dem er seinen Kampf gegen das Judentum auf ein neues Gebiet verlegt. Aber die jüdischen Geschichtsforscher werden ihm auch dahin folgen, um seine Angaben zu kontrolieren und, wo es notwendig ist, zu widerlegen. Das neue Buch führt den Titel: Die Mission und Ausbreitung des Christentums in den ersten drei Jahrhunderten. Es ist ein gründliches, mit erstaunlichem Fleiß gearbeitetes

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.