Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 6 (1903)
- Article
- Litterarische Jahresrevue
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 5)
- Language
- German
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— 19. — lung zu überlassen, sondern man pocht auf unser gutes Recht und versteht es, dieses wissenschaftlich zu begründen. Das ist ein großer Fortschritt und es ist notwendig, daß wir uns dessen inne werden, um vielen verwirrenden Zeiterscheinungen gegenüber mutig auf dem Posten zu bleiben und unbekümmert uni das Drängen von rechts und links unseres geraden Wegs weiter zu ziehen. Als eine der erfreulichsten Erscheinungen auf diesem Gebiete begrüßen wir die „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judenthums" die vor einigen Wochen in Berlin begründet wurde. Der Zweck dieser Institution ist ausschließlich die Förderung der Wissenschaft des Judentums, und zwar durch Herausgabe von Schriften, die diese Wissenschaft betreffen und durch Gewährung von ausreichenden Jahresstipendien an junge jüdische Gelehrte, die die Wissenschaft des Judenthums auszubilden bemüht sind. Beide Zwecke sind gleich löblich, gleich verdienstvoll, und wenn es gelingt, die Mittel zusammenzubringen, die für das gedeihliche Wirken einer solchen Gesellschaft notwendig sind, so darf man auf diese Neugründung die besten Hoffnungen setzen. Es versteht sich von selbst, daß die von der Gesellschaft herauszugebenden Schriften einen streng wissenschaftlichen Charakter haben werden, aber es wäre mehr als thöricht, wenn man glauben wollte, daß diese Arbeit nicht -auch für weitere Kreise von großem Nutzen sein würde. Nur wenn die wissenschaftlichen Vorarbeiten in der notwendigen Vollständigkeit vorliegen, kann an eine Popularisierung der Wissenschaft ernstlich gedacht werden. In alten Tagen hat man die Wissenschaft um ihrer selbst willen (lischmoh) gefördert, in unserer Zeit aller Zweckmäßigkeit und Nützlichkeit kennt man diese Selbstlosigkeit kaum noch. Aber man begreift dafür um so eher, wie notwendig es für das Gedeihen einer Gemeinschaft sei, wenn in ihr die Wissenschaft gepflegt wird. Es giebt nur noch Wenige, die einer Popularisierung der Wissenschaft ernstliche Bedenken gegeuüberstellen. Alle Zweifel sind von der Macht der Thatsachen längst überholt worden. Der Talmud vergleicht sehr geistvoll solche Gelehrte, die die Wissenschaft gewissermaßen als esoterisch behandeln, mit einer Mhrthe, die in der Wüste wächst und von der Niemand Genuß und Freude hat. 2* .