Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 6 (1903)
- Article
- Litterarische Jahresrevue
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 2)
- Language
- German
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16 besitzt, und der systematische Geist, der auch hier Ordnung zu schaffen versteht. Er erkennt schon damals, daß die Wissenschaft des Judenthums in ein ganzes Fach von Wissenschaften sich bei näherer Betrachtung verwandelt, die theoretisch, grammatisch und historisch erfaßt sein wollen. Die Hauptrolle spielt allerdings in dieser Wissenschaft die Theologie. Aber fchon der junge Zunz beklagt, daß die Juden ihr ganzes System der Theologie nie vollkommen und klar aufgebaut haben. Geradezu providentiell klingt hier das Wort des Jünglings vor 85 Jahren: „Mehr Schädliches, Ungerechtes und Schiefes ist wohl nicht in die Welt hineingeschrieben worden, als über die jüdische Religion und die Kunst, gehässig zu machen, ist hier auf ihren Gipfel gebracht." Aber nicht nur auf dem Gebiete der Theologie, sondern auch auf allen andern haben Juden Treffliches geleistet, selbst auf dem Gebiete der Jurisprudenz, ’ und die Anregung, die Zunz damals gab, die hebräisch-juristische Terminologie mit der enffprechenden römischen und hellenischen zu vergleichen, die allmähliche Veränderung des jüdischen Rechts und seinen endlichen Untergang in das europäische darzustellen, ist leider auch heute noch ein piaia ckesickeriuin. Bester steht es schon um die Quellen der jüdischen Ethik, und weun Zunz damals meinte, daß es wohl an der Zeit sei, das Herrliche, was darüber im Talmud und von späteren Weisen geschrieben worden sei, sachlich zusammenzustellen, so kann man wohl heute sagen, daß dies in durchaus wissenschaftlicher Weise geschehen ist. Auch für die sog. exacten Wissenschaften, wie Astronomie, Geographie, Mathematik, Chronologie und Naturkunde besitzen wir wertvolle Arbeiten, aber noch immer nicht das von Zunz gewünschte aufklärende Wörterbuch. Auch der naturkundliche Vorrat, der im Talmud versteckt und bei Späteren, die ausschließlich dieses Fach behandeln, reichlich anzutreffen ist, liegt noch immer seit jener Zeit unbenutzt da) über die Medicin haben wir bereits wichtige Aufschlüsse; dagegen haben es auch heute noch Gelehrte nur selten der Mühe für wert gehalten, in die Technologie und Gewerbekunde, in Industrie und Handel unserer Alten sich hineinzuarbeiten. Besser steht es schon um die Kunst, um Buchdruck, Poesie