Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 6 (1903)
- Article
- Litterarische Jahresrevue
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 1)
- Language
- German
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Mranfche §<x§mtmi. Von Ammer und immer wieder, so oft wir uns in die Betrachtung der jüdischen Literaturgeschichte vertiefen, kehrt unser Blick zurück zu dem Manne, der der Vater und Begründer dieser Disciplin gewesen ist. Es sind etwa 85 Jahre her, seit Leopold Zunz sein kleines Schriftchen „Etwas über die rabbinische Litteratur" hat erscheinen lassen. Es ist geradezu erstaunlich, wie dieser Mann als einfacher Berliner Student mit so viel entschlossenem Muthe und frühwachen Geiste die Grenzen des Gebietes absteckte, das er nicht nur entdeckt hat, sondern auch bis zu seinem Tode beherrschen sollte. Schon dies kleine Schriftchen verräth bereits alle Eigenschaften, die ihn dereinst zum berufensten Pfleger dieser Diseiplin weihen sollten. Aber was uns mehr und wichtiger ist: Genau dieselben Klagen und genau dieselben Mahnungen, genau dieselben Vorwürfe richtet er an seine Zeitgenossen, an jüdische und christliche, die wir auch heute noch erheben müssen. Das ist recht traurig, aber da es nun einmal nicht zu ändern ist, so erscheint es Wohl als das Beste, „zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht" und wie wenig weit wir es trotz alledem gebracht haben. Aus solcher Erkenntnis erwächst doch immer die Mahnung zur Einkehr und der Muth zum Fortschreiten. Was uns am meisten an dem Schriftchen von Zunz interessiert und imponiert, das ist die erstaunliche Uebersicht, die er über ein wüstes Gebiet, über ein weites Trümmerfeld