Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1903-01-01 · 6 (1903) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
6 (1903)
Article
Rückblick auf das Jahr 5662
Date
1903-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3111067-3111078-3112164--1479-3112188
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

5 gemeinsamen Kultur- und religiösen Ausgaben bezweckt. Im Februar dieses Jahres fand der neunte Gemeindetag statt, und vom Süden wie vom Norden, vom Westen wie vom Osten hatten sich dazu die Vertreter von 252 Gemeinden in Berlin vereinigt. Eine Reihe wichtiger Fragen wurde mit Ernst und Eifer verhandelt und durch Beschluß erledigt. Der an den Gemeindetag sich anschließende Verbandstag zeigte die einzelnen staatlichen und provinziellen Verbände des deutschen Judentums in voller Thätigkeit. Freilich wäre hier noch vielfach eine allgemeinere Beteiligung der Gemeinden und eine straffere Einheit zu wünschen: allein man muß rühmend anerkennen, daß die Juden Deutschlands nicht mehr eine zerstreute Heerde bilden, sondern sich mutig und thatkräftig aneinander schließen zu gemeinsamer Unterstützung. Den Kampf nach außen scheuen sie noch — unserer Ueberzeugung nach zu Unrecht — aber nach innen wirken sie einträchtig , zusammen. Sie vergessen auch nicht ihrer unglücklichen und bedrängten Brüder im Osten. Im Beginne dieses Jahres bildete sich der „Hilfsverein deutscher Israeliten," der neben der Alliance israelite unddenverwandtenJnstitutenEnglandsund Oesterreichs zu Gunsten der bedrückten Juden zumal Galiziens und Rumäniens wirken will. Die edlen und hervorragenden Begründer des neuen Vereins haben eine umfassende propagandistische Thätigkeit entfaltet, die ihrem Verbände eine große Anzahl von Mitgliedern zugeführt und die Gründung vieler Lokalkomites veranlaßt hat. So herrscht im deutschen Judentume eine rege Thätigkeit. Zu wünschen wäre, daß auch die Bemühungen zur Hebung der zurückgebliebenen jüdischen Wissenschaft, die jüngst von einem Kreise litterarisch gebildeter Männer begonnen wurden, zu einem glücklichen Erfolge führten. Das ist eine Sache von großer Bedeutung. Denn die Wissenschaft ist eine Sonne, von der aus erwärmende und belebende Strahlen den ganzen Organismus durchdringen. Wir hegen die Hoffnung, daß gerade die Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur, die von dem Abglanz der jüdischen Wissenschaft zu allermeist durchleuchtet und erhalten werden, sich an dieser schönen und segenverheißenden Arbeit beteiligen werden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.