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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1903-01-01 · 6 (1903) · p. Seite 4

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
6 (1903)
Article
Rückblick auf das Jahr 5662
Date
1903-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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jetzt sind sie nur noch 114. Die Ursachen dieser betrübenden Erscheinung sind dreifacher Art. Einmal sind die jüdischen Ehen ebenso wenig kinderreich, wie die der städtischen Bevölkerung und zumal ihrer besitzenden Stände es überhaupt zu sein pflegen. Ans die besonderen Ursachen dieses Umstandes können wir hier nicht näher eingehen: sie sind ebenso ethischer wie physiologischer Natur. Zweitens entziehen Taufen und Mischehen dem Judentum viele seiner Angehörigen. Drittens endlich kennt, aus den oben erwähnten Ursachen, die preußische und ein großer Teil der übrigen deutschen Judenheit nur Verlust durch Auswanderung, aber keinen Zuwachs durch Einwanderung. Auf dieses letztere Moment wird meist kein genügendes Gewicht gelegt. Eine nicht unbeträchtliche Anzahl besonders junger Männer unter den Juden wandert alljährlich nach den freieren und gerechteren Ländern des europäischen Westens oder nach den überseeischen Staaten aus —- ihr Abgang wird nicht ersetzt, da die norddeutschen Regierungen keine fremden Juden naturalisieren. Es fehlt nicht an Stimmen, die an das verhältnismäßig numerische Zurückgehen der deutschen Judenheit die finstersten Prophezeiungen knüpfen. Sie scheinen mir allzu düster gehalten, denn wir können nicht vorhersehen, ob nicht wieder, wie noch bis vor einem Vierteljahrhundert, eine Zeit auch des zahlenmäßigen Aufschwunges eintreten wird. Jedenfalls würde selbst ein noch stärkeres Zusammenschrumpfen unserer deutschen Glaubensgenossenschaft für den Bestand des Judentums überhaupt von geringem Belang sein. Schon wohnen in dem Lande der Zukunft, in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, weit mehr als eine Million Juden, deren nächste oder doch übernächste Generation gebildete Bürger eines freien Gemeinwesens sein, sich in der Hellen Luft der Freiheit und Gerechtigkeit kräftig entwickeln werden. Millionen ihrer östlichen Brüder werden ihnen folgen, ein neues, großes Juda sich jenseits des Ozeans erheben. Was wollen da die wenigen Hunderttausende von Juden in Deutschland sagen? Aber auch diese verzichten keineswegs auf ihre Existenz. Sie schließen sich fest zusammen in dem Deutsch-israelitischen Gemeindebunde, der die Erfüllung der allen deutschen Juden

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