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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 235

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
4 (1901)
Article
Beim Patriarchen
Date
1901-01-01
Page
Seite 235 (sequence 104)
Language
German
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235 Sohn Hugo und der Regierungsrath Weilen. Der lange Hühnertapper Freund, so benannt aus seiner Praxis bei Beurtheilung des lebenden Federviehs, die lebendige Chronik des Oertchens und Schmul Weißbacher, der den Beinamen führte „Rebbe, tommer verkehrt," weil er von allem das Gegentheil behauptete, rannten von Haus zu Haus mit ihren Neuigkeiten, der eine berichtend, der andere widerlegend. Die Aufregung in der Gemeinde wuchs von Stunde zu Stunde. Um genügend Raum für die Festtafel zu schaffen, hatte man zwei sehr große Stuben, die nur durch eine Tapetenwand getrennt waren, durch Entfernung der Wand zu einem Saal vereinigt. „Sie rücken die Wänd' aus," hatte der Hühnertapper erzählt, während „Rebbe tommer verkehrt" erklärte, „nix die Wänd, nur ä Bretterzaun, was zwischen die beiden Stuben liegt, hat man äweg genommen." Jedenfalls war durch die Anordnungen Frau Fanny's wirklich ein zweckentsprechender, sehr hübscher Raum geschaffen worden, der mit seinen Dekorationen aus weißem Stoff und Tannenreisig überaus anheimelnd aussah. An diesen Saal grenzte die ebenfalls sehr geräumige gute Stube. Dort war die Verbindungsthür ausgehoben worden und die arrangirten Tische so dicht herangeschoben, daß dadurch eine gemeinsame Tafel gebildet wurde. Der Anblick war prächtig. Bei einbrechender Dunkelheit versammelten sich alle Gäste zum Seder bei Leopold Friedländer. Der Geheimrath, der etwas früher kam, nm seine Frau, die mit den Arrangements beschäftigt war, zu sprechen, war auf's angenehmste überrascht. „Das habt Ihr ja herrlich gemacht," sagte er, seiner Frau galant die Hand küssend. „Wirklich wundervoll!" Das fanden auch die andern, als sie nach einer Begrüßung des Familienoberhauptes sich an der Tafel niederließen. Diese war mit feinem, weißen Linnendamast überdeckt und blitzte von Silber und Krystall. - In prachtvoll geschliffenen Karaffen funkelte der Wein, der ebenso wie die bleichen Apfelsinen in den Fruchtschalen aus den Kolonien des heiligen Landes stammte. Es war alles vortrefflich angeordnet. Aber auch der Geheimrath hatte Wort gehalten und Silbergeräth von so kostbarer.

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