Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 4 (1901)
- Article
- Beim Patriarchen
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 229 (sequence 98)
- Language
- German
- Belongs to
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229 Westen nach dem Osten zurückkehren, woher sie gekommen. Warum sollten nicht auch die Nachkommen Derjenigen sie dorthin zurücktragen, die sie dereinst herausgetragen über die Erde? Ich verhehle Ihnen aber nicht, daß dies nur meine .persönliche Anschauung von der Sache ist. Ich habe, als Ich in allerjüngster Zeit ganz eingehend mich damit beschäftigte, weil ich ein besonderes Interesse dafür gewann" — er sagte dies mit unverkennbarer Beziehung — „gefunden, daß ich nicht völlig objektiv nur mit dem Verstände, sondern auch mit dem Herzen der Frage näher getreten bin. Man ist nicht umsonst der Urenkel von Rabbi Mei'r Friedländer, um dies in kritischen Zeiten nicht gn empfinden. Ich erinnere mich mit Stolz daran, daß schon unser Großvater Elieser mit einem seiner Schwiegersöhne, ich glaube, es war Ihr Herr Vater, gnädige Frau, von Friedrich Wilhelm III. in Audienz empfangen wurde, um über die Kolonisation der Juden in Palästina ihm Bericht zu erstatten und seinen Schutz dafür zu erbitten. Damals schon! Ein alter Rabbi aus der Provinz Posen. Und was nun heute in mir sich als praktisches Interesse für koloniale Ideen kundgiebt, was Sie, lieber Herr Referendar, in idealer Begeisterung dafür empfinden, ist wohl das Erbe unserer Vorfahren. Das läßt uns gewissermaßen nicht ganz frei erscheinen in Beurtheilung der Dinge, andererseits aber sind wir, in deren Familie schon seit Generationen dieser Gedanke lebte, mehr wie Andere berufen, dafür ohne alle phantastischen und politischen Hintergedanken einzutreten." Er bemerkte, wie Rita's Antlitz in Verklärung strahlte, während er sprach, er sah die Blicke des Geheimraths in wohlwollender Zustimmung aus sich gerichtet, er las in den Gesichtszügen Frau Fanny's die stille Freude und den frohen Stolz, daß es ein Abkömmling Rabbi Mei'r Friedlünder's war, der so gesprochen. Er fühlte die schwärmerischen Augen Heinrichs auf sich ruhen, in zweifelndem Erstaunen und bemerkte in Hugo's Gesicht den Ausdruck der Empfindungen, die ihn selbst in diesem Moment beseelt hatten. „Wenn man dies ihnen Allen zurufen könnte," rief er in heftiger Gefühlsaufwallung, „daß sie ihre große Ver-