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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 228

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
4 (1901)
Article
Beim Patriarchen
Date
1901-01-01
Page
Seite 228 (sequence 97)
Language
German
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228 „Vom rein theoretischen Standpunkt bin ich, wie ich bereits sagte, durchaus Kolonialpolitiker. Ich halte die Erweiterung und 'Ausbreitung unserer Besitzsphären für eine unbedingte Nothwendigkeit, den gesteigerten Existenzbedingungen des Staates zu genügen. Ich bewundere den Scharfblick des Kaisers, der das erkannt und sein Hauptaugenmerk darauf gerichtet hat, die Lebensadern des Reiches mit frischen, kräftigen Säften zu füllen. Die Segnungen dieser Bestrebungen werden erst künftigen Geschlechtern klar werden, und man wird den Widerstand nicht begreifen können Derer, die sich diesen Plänen entgegenstellten mit kleinlichen Bedenken . . . denn Geldsachen sind immer kleinlich, sobald sie nicht großen Zwecken dienen. Sparen zu Unrechter Zeit und am falschen Platze ist stets ein rechnerischer Fehler. Und mit wohlfeilen Witzen über gewaltige Dinge abthun zu wollen, ist einfach albern. Man wird so zu hochmüthiger Mißachtung der Gegner gezwungen, von denen man genau weiß, daß sie die Dinge nicht kennen, gegen die sie opponiren. Es unterliegt für Alle, die sich gründlich mit dieser Materie befassen, überhaupt keinem Zweifel, daß das kommende Jahrhundert ausschließlich dem Ausbau kolonialer Arbeiten gehören wird, die mit den sozialen an irgend einem Pimkte sich berühren werden. Es wird nicht an Mißgriffen fehlen, an Enttäuschungen, aber welcher Pionierarbeit bleibt das erspart? Und dann wird man eben nach dem in der Weltgeschichte oft erprobten und bewährten Mittel der Befreier und Bedrücker verfahren müssen. Es giebt eine Gewalt, die vor dem Recht geht, das durch Eigensinn zu Unrecht sich wandelt." Er machte eine kleine, nachdenkliche Pause. In höchster Spannung folgten die Andern seinen Ausführungen. Kein Einwand wurde gemacht und er fuhr fort: „Was nun speziell die Kolonialbestrebungen in jüdischen Kreisen anbelangt, so wird sich wohl nichts dagegen cinwenden lassen von denen,, die Kolonialpolitik als ihr Programm angenommen haben und von der nächsten Zukunft schon die praktische Durchführung ihrer tief, durchdachten Pläne erhoffen. Warum sollte nun gerade dort die Kolonisation nicht das Ersprießlichste erwarten lassen? Die Kultur wird in ihrer Bewegung vom.

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