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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 224

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
4 (1901)
Article
Beim Patriarchen
Date
1901-01-01
Page
Seite 224 (sequence 93)
Language
German
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224 Onkel Leopold kommen dürfe. Er hatte sie darauf in seine Arme geschlossen und einen Kuß auf ihre Stirn gedrückt. „Meine Braut . . . meine holde Braut," sprach er innig . . . Sie schmiegte sich wortlos an ihn. Das war ihr Verlöbniß. Nicht mit der leidenschaftlichen, stürmischen Zärtlichkeit, mit der er am Neujahrstag um sie geworben hatte; in andachtsvoller Weihe, in beglückender Zuversicht nahm er sie an sein Herz. Und sie war glücklich. Dann hatte sie ihm ihr Gespräch mit der Mutter mitgetheilt. Und von seinem Briefe gesprochen, der ihr so tiefe Einblicke in sein Leben gewährt hatte und sie und die Mutter vor allem über eines beruhigt hätte ... sie zögerte, als sie dies aussprach, und er schloß ihren Mund mit einem Kusse und sagte: „Nein, wahrlich ... ich bin kein Abtrünniger! Und ich werde auch Dir die Liebe und Treue ewig bewahren, was immer kommen möge! Und Du, Rita?" „Nichts kann mich von Dir trennen," hatte sie erwidert. Einfach, aber unerschütterlich war ihr Ton. Ein Gelübde. Hierauf überlegten sie, was die Mutter von ihnen verlangte. Und er war syfort bereit, ihren Wünschen zu entsprechen. „Wenn ich Deiner Liebe sicher bin, dann muß ich mich darein fügen, dieses Glück verschwiegen für mich allein zu tragen, bis ich es jubelnd aller Welt verkünden darf. Es sind Rücksichten, die Deine Mutter verlangt, denen ich zustimmen muß, auch wenn es mir schwer fällt. Aber ich werde Dich doch sehen, und wir haben ein Geheimniß mitsammen, das uns in innerster Seele beglückt und noch näher zu einander führt, wenn dies überhaupt möglich ist. Wenn mein Blick auf Dir ruhen wird, wird er Dir sagen, ich liebe Dich, und ich werde von dem Bewußtsein erfüllt sein . . . sie ist mein! Und unsere Augen werden sich küssen und jeder Händedruck wird zu Dir sprechen von meinem Wünschen und Hoffen. Und diese geheimnisvolle Sprache, die nur wir beide verstehen, wird beredter sein als tönende Worte . . ." Thränen standen in ihren Augen. Als er sie so in ihrer holden Reinheit und jungfräulichen Schüchternheit vor sich sah, da schienen ihm seine entsagenden Vorsätze doch nicht durchführbar, denn er zog sie wieder an sich und rief erregt: „Und ich soll Dich entbehren, neben Dir sein und Dich nicht

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