Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 4 (1901)
- Article
- Beim Patriarchen
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 223 (sequence 92)
- Language
- German
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223 paarten und in dessen sehnsüchtig verlangender Seele das Gefühl der Unterordnung und Fügsamkeit nicht ausgelöscht war. Sie küßte der Mutter ehrerbietig und dankbar die Hand. „Und auch, daß Du meine Vertraute bist, soll ich ihm nicht sagen?" „Das überlasse ich Dir, nur möchte ich nicht, daß es zwischen ihm und mir jetzt schon zu einer Aussprache kommt. Laßt Alles, wie es war . . . es gab Euch ja genug und es wird Euch nichts rauben." Dann war Rita von ihr gegangen, und Frau Benas gab sich ihren Gedanken hin, die nicht fcet von Besorgnis; waren, aber doch voll Hoffnungen und Zuversicht für das Glück ihrer Tochter. Der Abend sah die Familie Benas und ihre Gäste, den Regierungsrath und vr. Rosenfeld, in guter Stimmung beisammen, das Diner war angenehm verlaufen, der Geheimrath war in bester Laune und verscheuchte die Reservirtheit und Förmlichkeit, die anfangs an der Tafel herrschte, durchseinen Humor. Weilen, gewandt und liebenswürdig, fand sich bald in den vom Hausherrn angeschlagenen Ton und unterstützte ihn darin. Auch Frau Fanny trug, nachdem die erste augenblickliche Befangenheit vorüber war, in ihrer vornehmen, klugen Art und der fürsorglichen Gastlichkeit viel zum Behagen der kleinen Tafelrunde bei. Hugo war weniger schroff, wie immer, wenn sein Freund Heinrich durch seine milde, gütige Natur auf ihn einwirkte, und Rita schien verklärt von innerstem Glückgefühl. Bescheiden und zurückhaltend wie stets, siel es nicht auf, wenn sie besonders schweigsam war. Nur manchmal streifte ihr Blick Bictor's Antlitz und, wenn sein Auge dann in das ihre sich versenkte ganz in Liebe und innigster Uebereinstimmung, jagte das Blut jäh in ihre Wangen. Sie hatten miteinander gesprochen, bevor man zu Tisch ging. Rita hatte ihm zunächst gesagt, daß er' mit ihnen zu