Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 4 (1901)
- Article
- Beim Patriarchen
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 217 (sequence 86)
- Language
- German
- Belongs to
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217 „Ach, Mama . . . es war nur so merkwürdig, was Papa für Einfälle hat . . dieses Silber ..." „Fünf Dutzend. Alles für 60 Personen. Komplett. Renaissance, Roccoco oder Empire . . . oder gefällt Dir englischer Stil besser?" scherzte er. „Bitte, Josua! Nu laß das Mädel in Ruh mit den Neckereien. Ich möchte doch mal ernsthaft bei der Sache bleiben." „Also ganz ernsthaft. Die Frage der Tafelarrangements ist erledigt und damit eigentlich Alles. Das Service besorgst Du. Es muß nicht gerade Limoges sein oder Alt-Wien, das Silber ich. Vorbehaltlich weiterer Verwendung. Daß in den Schüsseln was Gutes drin sein wird, darüber bin ich ohne Sorge. Auch genügend! Solche Familienfeste stehen immer im Zeichen von Hülle und Fülle. Fisch und Braten sind in dieser Gegend rühmlichst bekannt, auch sonst allerlei. Die Mazzot werden für uns besonders gebacken und die Aepfel zu den Charausses soll Gregorovius Unter den Linden liefern. Es wird also wirklich, aber jetzt ganz seriös und wohlbedacht, Alles vortrefflich arrangirt sein. Und ich freue mich aufrichtig auf dieses seltene Fest. Was den Händen von Frau Fanny Benas, geborene Friedheim aus dem Hause Meir Friedländer anvertraut ist, kann nur gut und gesegnet sein." Er war bei seinen letzten Worten, aus denen jetzt vollster Ernst und Rührung erklangen, aufgestanden und, neben seine Frau tretend, ergriff er ihre Hand und küßte sie. „Aber eines hast Du uns noch nicht gesagt. Wie die Angelegenheit erledigt ist, die der Hauptzweck Deiner Reise war. Wie denkt man im Kreise der Verwandten dort über die Absichten und den Wunsch Weilen's?" Mit athemloser Spannung erwarteten die Kinder die Antwort ihrer Mutter. Hugo's Auge hing voll düsterm Trotz an ihrem Munde, während Rita sie zaghaft und angstvoll anblickte. Es war ihr, als setzte der Herzschlag in ihrer Brust aus und ein beklemmendes Gefühl stieg in ihr auf und schnürte ihr die Kehle zusammen. „Ich bin wirklich neugierig, was Du erreicht hast?" „Er darf — kommen!"