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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 211

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
4 (1901)
Article
Beim Patriarchen
Date
1901-01-01
Page
Seite 211 (sequence 80)
Language
German
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211 mit Weilen nicht ohne große Kämpfe werde erreichen können. Daß Unruhe, Aufregung, Kränkungen in das friedliche Haus eiuziehen würden, sobald es bekannt werden würde, wie sie und Victor zu einander standen. Papa's Widerstand würde ja wohl am leichtesten zu besiegen sein, aber die Mutter. . -. Und Hugo und Elkisch? Und die übrigen Verwandten? Und sie selbst? War nichts in ihr, was dem widersprach, was sie thun wollte? Jetzt, in diesen traurigen Zeitläuften? Sich losreißen von denen, die leiden und kämpfen? Eine unsagbare Angst schnürte ihre Kehle zusammen. Wenn nur die Mutter erst wieder zurück wäre! Aufs Neue stürmten unruhige Gedanken auf sie ein. Wie glücklich hätte sie sein können, einen Mann wie Weilen zu lieben, von ihm geliebt zu sein! Und nun war Furcht in ihrer Hoffnung, Zweifel in ihren Wünschen! Langsam erhob sie sich und ging nach ihrem Zimmer. Den Brief verschloß sie in ihrem Schreibtisch. Die Geheimräthin war am 4. Januar von ihrer Reise zurückgekehrt. Sie war in bester Stimmung, hatte den alten Onkel in guter Gesundheit gesunden, die Angehörigen in dem kleinen Städtchen schon jetzt ganz erfüllt von dem bevorstehenden Ereigniß und mit Plänen und Vorbereitungen für die Feier beschäftigt. Das Passähfest war sehr früh in diesem Jahre. Auf den 11. März, den ersten Feiertag, fiel nach jüdischem Datum der Geburtstag. Sie erzählte, in Rawitsch sei Alles verabredet, was zu einer so großartigen Festlichkeit erforderlich sei. Von Berlin sollte beschafft werden, was dort etwa nicht zu erreichen war, denn durch die Gebräuche, die das Passahsest mit sich brachte, wurden die Arrangements noch komplizirter. Aber daran durfte nichts geändert werden, ganz wie sonst, nur für die große Anzahl der Familienmitglieder berechnet, sollte der Sederabend abgehalten werden und die daran anschließenden Festtage. Das 'wäre lediglich eine Geldfrage und käme gar nicht in Betracht. Im Gegentheil, es sei nur erfreulich, daß das außergewöhnliche Ereigniß auch in außergewöhnlicher Art begangen 14*

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