Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 4 (1901)
- Article
- Beim Patriarchen
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 200 (sequence 69)
- Language
- German
- Belongs to
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200 „O ... ja . . . aber Mama hielt es auch nöthig, sich persönlich' für die Arrangements zum Geburtstage zu interessiren. Es werden so viele Menschen kommen ... in der kleinen Stadt ... die Verwandten dort sind gewiß unbeholfen, an solche Dinge nicht gewöhnt . . . Man muß Vorkehrungen treffen zur Unterbringung und Verpflegung . . . es ist doch ein Fest, das gefeiert werden soll." „Wollen Sie mir die Freude meiner Auslegung zerstören, Fräulein Rita?" Etwas Schmerzliches, Kühles lag in seiner Stimme. „Das Alles hätte man brieflich erledigen können, aber, daß einer unter den Gästen sein will, ein Fremder und doch ein Zugehöriger, das mußte Ihre gütige Frau Mutter selbst begründen und befürworten. Und darum diese winterliche Reise, heute am Neujahrstage, den man sonst gern in gemeinsamer Feier verbringt! Habe ich Recht, Rita?" „Ja," antwortete sie einfach. Es wäre ihr unmöglich erschienen, länger nach Ausflüchten ■ zu suchen, nachdem er die schlichte Wahrheit gefunden hatte. Beide sprachen sie jetzt ein Weilchen gar nichts. Sein Blick haftete auf ihrem gesenkten Haupte. Es lag in diesem beredten Schweigen ein inniges Verstehen. Die tiefe Stille im Zimmer wurde nur durch das Aufknistern des Kaminfeuers unterbrochen. Rothe, zuckende Lichter sandte es über den weißen Teppich, der den Fußboden ganz bedeckte, und dann huschten sie an dem Kleide des jungen Mädchens entlang in flimmerndem Scheine. Nachdem sie einige Minuten lang in ihren Gedanken verharrten, sagte er: „Ich weiß es, daß Ihre Mutter meinem Wunsche Erfüllung erwirken wird. Sie ist eine gute Fürsprecherin. Und ich werde an diesem Tage neben Ihnen sein, Rita . . . neben Dir!" Und, als könne er den auf ihn einstürmenden Gefühlen nicht länger gebieten, sprang er empor, nahm sie in seine Arme und flüsterte ihr leise ins Ohr: „Meine Rita!" Sie ruhte wie betäubt an seiner Brust. Selige Schauer machten sie erbeben. Was in ahnungsvollem Zagen, in