Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 4 (1901)
- Article
- Beim Patriarchen
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 64)
- Language
- German
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195 und ich bin nur neugierig, ob dem Herrn Regierungsrath dann auch eingefallen wär', den Geburtstag von Reb Löb Friedländer zu feiern." „Aber Rita wollte doch den jungen Reinbach nicht. Und das kann man ihr nicht verargen. Diesen hochmüthigen, ideallosen Protz . ." „Es muß welche geben mit die Ideale und welche ohne. Reinbach ist so reich, daß ich nicht weiß, wozu er die Ideale braucht. “ „Na, kaufen kann er sie freilich nicht, Elkisch. Aber wir hier haben über unsere Vermögeilsverhältnisse doch auch nicht zu klagen und trotzdem hegen wir die idealsten Wünsche und Hoffnungen in unserm Herzen. Sehen Sie, Magnus, sein Vater ist Millionär und er sinnt auf nichts Anderes als auf die Ausführbarkeit unserer Pläne und Sternberg und Rosenseld und ich und noch so manche, die ihr Leben in tausend Freuden verbringen könnten, statt über die Leiden ihres Volkes nachzugrübeln, und da koinmt so ein süddeutscher Elegant, so ein Lebemann ä la mode de Paris, ein Jude, den man dort jetzt grade verhetzt und besudelt wie nirgend anderwärts und, als man aus das Thema kommt, das uns alle beschäftigt, schnarrt er ..Das Judenthum ist ein Unglück". „Das sind Redensarten, Hugo . . ." „Die Zeit scheint mir nicht geeignet für Redensarten," erwiderte er finster, „wer sie macht und noch dazu in so arroganter Ueberhebung ist ein Dummkopf. Und daß Rita einen solchen nicht nimmt, werden Sie doch auch in Ordnung finden." „Mir ist ein jüdischer Dummkopf lieber wie ein geschmadter Philosoph!" „Es giebt auch jüdische Philosophen" . . . Das feine, bleiche Antlitz Heinrichs tauchte plötzlich vor ihm auf. Er erhob sich und ging nachdenklich durch das Zimmer. „Es ist sehr spät geworden, lieber Elkisch," sagte er dann. „E jüdischer Philosoph ist aber keine gute Partie," rief dieser beharrlich. „Das müßte Rita entscheiden. Nicht wir. Und deshalb wollen wir uns jetzt zur Ruhe begeben." „Aber, Hugo, eins mußt Du mir versprechen. Paß auf. .. paß auf!" J3*