Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 4 (1901)
- Article
- Beim Patriarchen
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 194 (sequence 63)
- Language
- German
- Belongs to
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194 — wenn sie so Schabbes Nachmittag rüber kam, jetzt, wie früher als kleines Mädchen. Aber von ihm hat sie noch nichts geredt, keinen Ton. Als ob er gar nicht da war. Und dabei kommt er Nachmittag zum Thee und Abends und Mittags und im Opernhaus haben sie sich auch schon getroffen^ zufällig natürlich und zufällig auf der Eisbahn, auf der Rousseauinsel . . . Die Tallien is immer dabei und die hat's meinen Neffen Redlich erzählt, der bei ihr französisch lernt. Auf französisch hat sie es ihm sogar gesagt." Nachdenklich hatte Hugo zugehört. „Aber, lieber Elkisch, dagegen ist doch nichts zu thun. Papa und Mama haben sehr ausdrücklich von mir verlangt, daß ich ihn mit großer Höflichkeit behandle, obwohl es mir von Anfang an peinlich war, ihn bei uns zu sehen. Ich ziehe mich daher zurück, so viel es angeht, denn daß man ihm nur mit Zuvorkommenheit begegnen kann, ist bei einem Manne wie er eigentlich selbstverständlich. Er hat wirklich etwas sehr Gewinnendes, Einfaches . . „Da hat man's, da hat man's . . /' jammerte Elkisch. „Es wär' schon besser. Du ziehst Dich nicht zurück und bleibst da und paßt auf . . . daß sie sich nichtverliebt . . ." „Da nützt kein Aufpassen . . „Wieso?" „Glauben Sie denn, Elkisch, ein Mädchen wie Rita verliebt sich in Äußerlichkeiten. Vielleicht weil ihr jemand Komplimente macht oder die Augen verdreht und sie anschmachtet, was die Anwesenheit eines Dritten allerdings verhindern könnte?" „In was denn verlieben sie sich?" „Sie verlieben sich in die Persönlichkeit. In das geistige Wesen und in die Erscheinung, wenn beide sich zu einer Totalität vereinigen, die der ihren congenial ist und aus sie wirkt. Sei es ergänzend, sei es erobernd." „Das verstehe ich nicht, Hugo. So meschugge Lin ich- Gott sei Dank noch nicht. Aber man könnte es werden, wenn man denkt, daß man ein gutes jüdisch Kind nicht soll abhalten' können, sich in.einen Posche Jisroel zu verlieben. Ich Hab' Deinem Vater.immer gesagt, er soll die Partie mit Reinbach j aus Mannheim, machen, da wär' sie jetzt längst verheirathet,,