Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 4 (1901)
- Article
- Beim Patriarchen
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 37)
- Language
- German
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168 rathes, eine geborene Friedheim, hat eine herrliche Stimme, die bei den hervorragendsten Gesangsmeistern ausgebildet ist, und auch unter den übrigen Vettern und Basen wird die Musik gepflegt mit.großer Liebe und feinem Verständniß." „Es ist aber wohl ein Friedheim'sches Erbe, denn ich selbst bin ganz unmusikalisch." Sie dachte einen Augenblick nach. „Es scheint so, Herr Dr., es fällt mir eben erst auf. Die Angehörigen von der Friedländer'schen Seite zeichnen sich durch anderweitige Vorzüge aus." Er lächelte. „Sie sind sehr liebenswürdig." Mit leichter Verlegenheit erwiderte sie. „Es war keine Höflichkeitsphrase, Herr Doktor. Mama's Verwandte mütterlicherseits haben sich vielfach wissenschaftlich hervorgethan. Professor Jacob Friedländer in Breslau, Professor Emil Friedländer in Marburg, Professor Felix Friedländer am Polytechnikum in Karlsruhe sind Männer von wissenschaftlicher Bedeutung, ebenso ist Professor Ernst Biedermann, dessen Mutter eine, geborene Friedländer war, führend unter den modernen deutschen Malern." Stolz und freudige Begeisterung war in ihren Worten, ohne daß sie sich dessen bewußt war. Ihr Antlitz hatte sich leicht geröthet, und ihr leuchtender Blick richtete sich unwillkürlich auf den Stammbaum, der ihnen gegenüber hing. „Sie sind gut orientirt über die Positionen Ihrer Verwandten? Verkehren sie bei Ihnen?" Sie stutzte bei seinen Worten, als ob sie einen fremden Ton darin gefunden hätte. Ironie und Spott. Aber er blickte sie so harmlos und freundlich an, daß sie ihr Mißtrauen beschämend empfand. „Durchaus nicht. Nur mit Professor Biedermann verkehren wir gelegentlich. Sein Beruf führt ihn sonst in ganz andere Kreise." „Welche Kreise würden sich einem Hause wie dem Ihrer Eltern nicht gern erschließen?" sagte er nachdenklich. „Meine Eltern wollen es nicht, seit Jahren schon. Mein Vater, dessen große, segensreiche Thätigkeit, dessen gemeinnütziges Wirken ihm ein berechtigtes Selbstgefühl giebt, verschmäht es, als der Geduldete zu gelten, der Stolz meiner Mutter ertrüge eine Zurücksetzung ebenso wenig".sie