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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 164

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
4 (1901)
Article
Beim Patriarchen
Date
1901-01-01
Page
Seite 164 (sequence 33)
Language
German
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164 zurück. Aber jedenfalls empfing Regierungsrath Weilen noch am selben Abende eine Einladung für nächsten Sonntag zum Diner. Dieses Diner hatte im ganzen einen sehr angenehmen Verlauf genommen. Weilen hatte sich mit weltmännischer Gewandtheit in dem kleinen Kreise heimisch gemacht. Es war nicht schwer, mit diesen Männern in angesehenster Lebensstellung Berührungspunkte zu finden, und die Frauen waren so wohlgeartet, feingebildet und liebenswürdig, daß er rasch jedes Gefühl des Fremdseins verlor. Unbewußt lag in seinem Wesen etwas Zutrauliches, was über die Peinlichkeit der ersten Begegnung hinweghalf. Die Begrüßung zwischen ihm und seinen Gastgebern hatte sogar etwas Herzliches und Erfreuliches, wie zwischen Menschen, die sich innerlich näher getreten sind. Besonders der Geheimrath war in bester Stimmung, und auch Rita glaubte, ihm um so freundlicher entgegenkommen zu müssen, je mehr sie für Hugo's Haltung besorgt war. Aber ihre Befürchtungen schienen grundlos. Er war doch zu wohlerzogen, um außer Acht zu lassen, was er, als Sohn des Hauses den Gästen schuldig war. Sein Benehmen war daher, wenn auch reservirt, doch von tadelloser Höflichkeit. Der Regierungsrath Dr. Weilen war ein fait accompli für ihn, mit dem er sich abzufinden hatte. Dieser aber fühlte sich bald ganz zu Hause in der Gesellschaft. Man sprach nicht über die verwandtschaftlichen Beziehungen, in denen er zu den einzelnen stand, man zeigte keine äußerliche Neugier, ein geheimes Band schien sie aber zu verbinden. Während der Mahlzeit steigerte sich das Wohlgefühl bei den Anwesenden. Weilen war von der geschmackvollen Lebensführung des Hauses ganz entzückt und, was ihm besonders angenehm auffiel, war, daß ihnen Allen diese Formen wie angeboren schienen, dieser vornehme, elegante Stil selbstverständlich. Nichts verrieth, daß sie unter anderen Daseinsbedingungen ausgewachsen waren und daß der Luxus, mit dem sie sich umgaben, nicht durch Generationen vererbt, sondern erworben war in den letzten Jahrzehnten erst. Auch in Manieren und äußeren Formen waren sie vollendet, und die Diener in Escarpins, das herrliche Porzellan, das kost-

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