Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 4 (1901)
- Article
- Beim Patriarchen
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3111067-3111074-3111911--1113-3112086- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
163 Fall ist. Zudem war der Geheimrath im Allgemeinen so liebevoll, gütig und nachsichtig gegen seine Kinder, daß in den besonderen Fällen, wo er so bestimmt und energisch auftrat wie heute, jeder Widerspruch Völlig ausgeschlossen schien. Rita blickte den Vater mit leuchtenden Blicken an. Zwischen ihnen beiden gab es immer so ein kleines, unausgesprochenes Einverständniß Mama und Hugo gegenüber. Diese hübschen, gutmüthigen Parteistellungen gaben der Intimität ihres innigen Familienlebens einen besonderen Reiz. „Ein wahres Glück, daß ich in Rita eine Bundesgenossin habe," scherzte er, indem er sich erhob, „sonst hätten wir hier über dem Hause schon das Wappenschild Davids, und kein fremder Fuß dürfte die Schwelle überschreiten. So was hat Elkisch neulich wahrhaftig gesagt, als von Weilen's Besuch die Rede war. Elkisch und ihr auf dem gleichen Standpunkte: Um Gottes Willen Kinder, nur nicht die Lächerlichkeit! Ich schätze den alten Mann doch gewiß, und in diesen Tagen hat er sich wieder einmal glänzend bewährt bei den Magdeburgern, aber alles muß seine Grenzen haben. Jetzt aber muß nh ins Comtoir . . . ja, Fanny, wen willst Du dazu bitten?" „Vielleicht Professor Zeidler und Jedlitzka und Bildhauer Hofsmann ..." „Meiiietwegen . . . oder nein, sie waren lange nicht eingeladen und sollen nicht denken, daß man auf einen Regierungsrath gewartet hat, um sie bei sich zu sehen . . . das nun wieder nicht!" Ein triumphirendes Lächeln zog um Hugo's Mund. „Lade aus der Familie einige dazu. Justizrath Friedheim, Baumeister Robert Freudenthal und Amtsgerichtsrath Lesser mit den Frauen. Das sind sechs. Wir vier und Weilen elf, also noch einen Junggesellen." „Vielleicht Di-. Roseufeld?" . . . Er lachte. „Na, meinetwegen! Damit Du und Hugo Succurs haben! Jetzt aber muß ich fort. . . Es ist die höchste Zeit, um Bamberger noch vor der Börse zu sprechen. Adieu, Kinder! Laßt Euch nicht stören, Mahlzeit!" Er ließ die Seinen in getheilter Stimmung beim Dejeuner 11*