Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 4 (1901)
- Article
- Beim Patriarchen
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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162 Familie entfremdet wurde, und sicherlich würde er auch das Weitere aufklären können, übrigens geht es uns nichts an" . . . erwiderte er ungeduldig. „Seine Art, sich zu geben, fein ganzes Auftreten war mir sehr angenehm. Gab es bei seinem Besuche Augenblicke des Zwanges oder der Ungemüthlichkeit, so lag es an uns, nicht an ihm, und ganz gewiß an Deiner Schroffheit, und es war wirklich mehr als liebenswürdig, wie er das ignorirte." „Wir müssen uns für diese Herablassung allerunterthänigst bedanken." „Hugo!" Ein warnender, bittender Blick der Mutter traf ihn. „Und nun ist's genug. Weilen soll für nächsten Sonntag zu Tisch geladen werden. Nicht mit gedruckter Einladung. Du schreibst wohl selbst ein paar freundliche Zeilen, liebe Fanny. Auch nichts Großes, Offizielles. Zehn Personen vielleicht oder zwölf. Im kleinen Speisesaal, ein kleines, feines, aber einfaches Diner. Na, das verstehst Du ja ausgezeichnet, diese verschiedenen Nuancen, Fannychen," fügte er jovial hinzu, um den Eindruck seiner Strenge gegen Hugo zu mildern. „Und dem Jungen setze den Kopf zurecht, ich weiß ja, daß ihr Verbündete seid .... und daß Du im Geheimen auch seine Ansichten theilst ..." Er lachte. „Na, siehst Du, wie ich recht habe. Sonst rufst Du mich Jo . . aber so in besonders feierlichen Momenten Josua! Auf einen Besuch, der eine Annäherung bedeutet, gehört eine Einladung, sobald man nicht eine beleidigende Zurückweisung beabsichtigt. Da dies nicht der Fall ist, so haben wir der Form zu entsprechen. Ich erwarte, daß Du dies zum Maßstab Deines Benehmens gegen den Regierungsrath nimmst, Hugo! Ich bin kein Freund von Ostentationen und Rücksichtslosigkeiten! Unsere Gesinnung muß sich, um treu und wirksam zu sein, nicht in Absonderlichkeiten und Formverletzungen manifestiren. Merke Dir das!" Ein beinahe schmerzhafter Zug trat in das Antlitz des jungen Mannes. Aber er erwiderte kein Wort mehr. Der Respekt vor der Autorität des Vaters war tief eingewurzelt in seinem Herzen, wie es bei der jüdischen Jugend der