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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 161

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
4 (1901)
Article
Beim Patriarchen
Date
1901-01-01
Page
Seite 161 (sequence 30)
Language
German
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161 brächten. Rita war zunächst stillschweigend diesen Berathungen gefolgt. Endlich sagte sie: „Ich verstehe nicht, warum Du Dich in solche Ideen hineinredest, Hugo? Man hat nicht das Recht, unhöflich zu sein, wenn einem höflich begegnet wird. Unhöflichkeit ist Unbildung, unter allen Umständen. Man läßt Dir Deine Meinung, aber Du darfst darum nicht verlangen, daß man nicht auch seine eigene habe, und vor allem nicht, daß man Höflichkeitsformen außer Acht lasse, auf die jeder Anspruch hat, der zu uns kommt." „Jeder andere eher wie er!" „Aber warum denn? Das sind ja Einbildungen! Hat er etwas gethan oder unterlassen, was zu dieser schroffen Abweisung Dir Veranlassung giebt?" Er blickte trotzig vor sich hin. „Hat er Dir denn nicht gefallen, Hugo?" sagte die Mutter einlenkend. „Gefallen? Ich stnde nicht, daß wir berechtigt sind, persönliche Sympathie oder Antipathie auf unsere Haltung Einfluß gewinnen zu lassen. Weilen hat mir ganz gut gefallen, aber er ist unser Feind, er wie jeder andere . . . oder er niehr wie jeder andere! Und darum finde ich nicht nöthig, daß man ihm ein Entgegenkommen zeigt. Ich möchte nicht, daß er sich einbilde, wir laufen ihm nach, wir fühlen uns geehrt, weil er sich herabließ . . „Gott, Hugo, Du bist manchmal wirklich unausstehlich! Wer Dich so hört, sollte glauben, Elkisch vor sich zu haben. Aber was man dem alten, ungebildeten Manne uachsieht, kann man doch unmöglich bei einem modernen, jungen Menschen billigen . . . Wir legen. Deinen Ideen, Deinen Empfindungen nichts in den Weg, aber so weit darf das nicht gehen, daß Du sie aufs Haus zu erstrecken versuchst. Es hat sich schon von selbst gemacht, daß man nur als Outsider gilt in der Gesellschaft, und wir brauchen es nicht so weit auszudchnen, Jemanden, der sich in charmantester, gefälligster Form uns nähert, vor den Kops zu stoßen. Nur weil es ein Mann in bevorzugter Lebensstellung ist .. . ." sagte der Geheimrath ärgerlich. „Er hat selbst freimüthig darüber gesprochen, wieso er der 11

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