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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 160

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
4 (1901)
Article
Beim Patriarchen
Date
1901-01-01
Page
Seite 160 (sequence 29)
Language
German
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160 kleine Rita! Wie bescheiden und still, dabei sichtlich ganz gescheidt, man brauchte nur zu sehen, welchen Antheil sie an der Unterhaltung nimmt, auch wenn sie schweigt. Die Augen sprechen und das bewegte Gesichtchen. Und ganz ahnungslos scheint sie in diesem Reichthum zu sitzen. Das ist ihr angeboren, sie empfindet es nicht als etwas Besonderes. Charmant! . . ." Er war während dieses Selbstgespräches innerlich ruhiger geworden, zündete sich eine Cigarre an und trat an einen in der Nähe des Kamins stehenden Tisch. Dieser war mit Büchern, Broschüren und Zeitschriften beladen. Im Ofen knisterte eine leichte Glut, er entfachte sie zu stärkerer Flamme, nahm die Lampe vom Schreibtisch herüber und setzte sich behaglich in einen Fauteuil. „Bin nur neugierig, ob sie mich zu Gnaden aufnehmen werden? Nicht die Benas allein, aber die anderen, die um Onkel Leopold! Wenn auch für den einen Tag. Ich wünsche es aufrichtig. Es ist das richtige Heimweh nach . . . nach dem Ghetto!" Er nahm ein Buch. „Wer Dich so sähe, Victor ... die Herren vom Auswärtigen Amt etwa . . . allerhand Achtung! Ein Ghetto bleibts doch, in aller Freiheit und in aller Pracht! Ob man nun in den grandiosen Prunksalons in der Thiergartenvilla sitzt oder bei Onkel Leopold in Rawitsch . . . Das emfindet die junge Kraft und der selbstbewußte, gekränkte Stolz des Sohnes sehr genau. Die Alten sinds gewohnt." Bei Geheimrath Benas hatte der Besuch Weilen's einen Zwiespalt unter den Familienmitgliedern hervorgerufen. Der Vater war dafür, das man Weilen an einein der nächsten Tage zu einem Diner einlade. Es sei selbstverständlich, daß man einen Mann, der sich so zwanglos und liebenswürdig genähert habe, ebenso behandeln müsse. Frau Fanny war geneigt, der Ansicht ihres Mannes beizupflichten. Aber sie stand stark unter Hugos Einfluß, der sich entschieden dagegen aussprach, eine Beziehung zu pflegen, die wie alle derartigen Anknüpfungen nur Kränkung und Zurücksetzung mit sich

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