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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 157

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
4 (1901)
Article
Beim Patriarchen
Date
1901-01-01
Page
Seite 157 (sequence 26)
Language
German
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157 „Ich bitte Dich, Papa, mir scheint es viel angenehmer, nur ihre Werke zu kennen, als sie persönlich," warf Hugo schroff dazwischen. „Man weiß, was sie im Hause der reichen Juden suchen, und wenn Du ihre Leistungen und Werke bezahlst und auf sie verzichtest, so erweisest Du ihnen und Dir den größten Gefallen!" „Es war nicht immer so, Hugo! Deine Ansichten sind zu herb und absichtsvoll." „Es war immer so, Papa! Nur gab es vielleicht Zeiten, wo es nicht so zu Tage trat. Wohlwollende Strömungen, herablassende, nachsichtige Duldung, humanistische Anwandlungen, wir verzichten darauf! Im tiefsten Grunde war es immer dasselbe. Der Jude wurde verbrannt. Zu Sultan Saladins Zeiten so wie heute. Nur sind wir nicht mehr gesonnen, es dankbar hinzunehmen und schweifwedelnd, wie ein Hund, die empfangenen Prügel zu quittiren." Ein düsteres Feuer brannte in seinen Augen. Sein Antlitz trug einen Ausdruck von Stolz und Energie. „Ich fürchte, lieber Hugo," suchte die Mutter ihn zu begütigen, „daß unser Gast für Deine Ansichten wenig Interesse hat. Du weißt, daß auch wir Dir nicht in allen Dingen beistimmen." „Verzeihen Sie, Herr Regierungsrath." In vorschriftsmäßiger Form, mit der Schuldigkeit eines preußischen Referendars und Einjährigen der Garde wendete er sich an Dr. Weilen. „Der Gegenstand riß mich hin, und dann, ich glaubte hier an meinem väterlichen Tisch . . . wir sind es jetzt so gar nicht gewöhnt, jemanden in unserer Mitte zu haben, der unseren Schmerz und Empörung nicht versteht." „Das ist auch in diesem Augenblick nicht der Fall, junger Freund. Wenigstens seit heut Abend nicht mehr, seit dieser Stunde, die ich in Ihrem Elternhaus zubringen durfte." Der Referendar verneigte sich stillschweigend. Weilen erhob sich und sagte: „Ich darf Ihre Gastfreundschaft aber nicht über Gebühr lange in Anspruch nehmen, gnädige Frau. Sie wissen jetzt, um was es sich für mich handelt. Glauben Sie, daß sich

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