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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 149

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
4 (1901)
Article
Beim Patriarchen
Date
1901-01-01
Page
Seite 149 (sequence 18)
Language
German
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149 Das Gespräch war hauptsächlich zwischen der Geheimräthin und ihrem Vetter geführt worden. Die Uebrigen waren stillschweigende Zuhörer. Jetzt aber sagte der Kommerzienrath: „In großen, sehr weit verzweigten Familien kommen solche Dinge häufig vor. Es ist fast unmöglich, die Entwickelung aller Zugehörigen zu ■ verfolgen. Da halten gewöhnlich die zusammen, die besondere Umstände und Daseinsbedingungen zu einander führen. Meine Frau hat zahlreiche Vettern und Cousinen, die wir kaum dem Namen nach kennen, wieder andere, mit denen wir in steten, herzlichsten Verwandtschaftsbeziehungen leben. Ebenso ergeht es mir mit den Verwandten meinerseits. Wer uns anfsucht und sich uns nähert, ist willkommen ..." „Ich danke Ihnen, Herr Geheimrath!" „In diesem Falle ganz besonders," fügte er verbindlich hinzu. „Aber, daß wir Alle im Auge behalten können, ist ganz unmöglich. Denken Sie nur, Herr Regierungsrath, der Vater von Rabbi Elieser, Ihrem und meiner Frau Großvater, also Ihr Urgroßväter Rabbi Meir, hatte aus drei Ehen neun Kinder, diese waren ebenfalls verheirathet und sicherlich mit Kindern reich gesegnet und so fort, nach der Verheißung Gottes: „Ihr sollt sein wie der Sand am Meere", aber alle diese Sandkörner einzeln zu sieben, zu sichten und nach ihrer Art zu kennen, ist unmöglich." „Doch nicht, Vater!" „Sie scheinen ein begeisterter Anhänger dieses Volkes, Herr Referendar." „Ich bin Jude, Herr Regierungsrath." Mit Interesse und Theilnahme ruhte Weilen's Blick auf dem jungen Manne. „Das hat aber mit unserem Gespräch garnichts zu thun, lieber Hugo," sagte Frau Fanny, bemüht, die Unterhaltung in den Grenzen eines harmlosen Tones zu erhalten. „Papa wollte nur ausführen, daß innerhalb einer so in den weitesten Verästlungen sich ausbreiteuden Familie, wie die unsere, sich nicht Alle persönlich näher treten können." „Wobei ich aber noch das interessante Faktum konstatiren möchte, daß kaum ein Tag vergeht," sagte lachend der Geheimrath, „wo sich nicht irgend Jemand als in verwandt-

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