Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 146

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
4 (1901)
Article
Beim Patriarchen
Date
1901-01-01
Page
Seite 146 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3111067-3111074-3111911--1096-3112069
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

146 „Mein verehrter Herr Geheimrath, ich arbeite augenblicklich im Ressort für Preßangelegenheiten," gab er lachend zurück „und dort findet sich Alles. Dort fand ich auch die Notiz über den bevorstehenden neunzigjährigen Geburtstag von Leopold Friedländer — meinem — unfern Onkel! Das ist ja ein Patriarchenalter, das der würdige Mann erreicht." „Ja, Onkel Leopold ist hochbetagt und er der älteste von vierzehn Geschwistern, der einzige, der noch am Leben ist," sagte Frau Fanny. „Ist er gesund und wie trügt er sein hohes Alter? Ich setze voraus, daß Sie in dauernden Beziehungen zu ihm stehen?" „Gewiß, er wird als Oberhaupt der Familie von allen hochgeehrt. Wir besuchen ihn fast alljährlich und auch meine Kinder haben seinen Segen schon empfangen. Er ist übrigens rüstig, geistig frisch und liest noch ohne Brille, so daß man an sein patriarchalisches Alter garnicht erinnert wird." „Merkwürdig, so habe ich ihn mir gedacht. Und seine direkten Nachkommen Söhne und Töchter?" „Von seinen drei Söhnen lebt nur einer noch und beide Töchter." „Wo leben sie?" „Sie sind alle in Nawitsch geblieben und dort verheiratet. Jakob, der jetzt auch nahe an siebzig ist, hatte das Geschäft des Vaters weiter geführt, das jetzt bereits in den Händen eines Enkelsohncs ist." „So blieb und bleibt das Haus dort durch Generationen erhalten. Denn der Enkelsohn hat sicherlich auch eine Familie begründet." „Unser Vetter ist noch unverheirathet." „Und leben sie Alle zusammen?" „Onkel Leopold wohnt seit dem Tode seiner Frau bei seinem Sohne. Es ist über zwanzig Jahre her." „Fünf Jahre vorher war ich bei ihm, damals war er noch im Geschäft thätig." „Jawohl. Aber als die Kinder später alle versorgt waren, konnte er seinen Lieblingswunsch verwirklichen und das Thorastudium wieder in vollem Umfange aufnehmen, das

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.