Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 4 (1901)
- Article
- Beim Patriarchen
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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143 „Darf man rauchen?" wendete er sich an die Damen. „O für diese Theestunden hat meine Frau das Rauchen gestattet/? „Dann bitte ich um eine Cigarette." „Hugo dort die russischen, sie sind opiumfrei ..." Etwas zögernd, wie von innerer Abneigung beherrscht, erhob sich der junge Mann und schob ein Rauchtischchen, das mit allerhand Rauchrequisiten besetzt war, heran. Cigarrenkisten und Cigaretten standen geöffnet darauf. Weilen betrachtete mit Kennerblick die wundervolle, orientalische Jncrustationsarbeit des Tischchens. Hugo reichte ihm die Cigaretten und hielt ihm eine brennende Wachskerze hin. „Danke, Herr College!" Tiefe Blässe überzog das Antlitz Hugos, als er sich stumm verneigte, während sein Vater lachend sagte: „Soweit sind wir noch nicht, Herr Regierungsrath." „Ihr Sohn ist Jurist — wie ich!" erwiderte er liebenswürdig. „Auch ich war Referendar, bevor ich Regierungsrath wurde. Das ist mal die Rangordnung. Anfängen muß jeder. Nicht wahr, Herr College? In welchem Ressort arbeiten Sie jetzt?" „Beim Kammergericht, Herr Regierungsrath. Ich bin im letzten Jahr meines Vorbereitungsdienstes!" „Den Doktor hat er auch bereits gemacht und sein Jahr abgedient bei den Gardedragonern," warf der Vater ein. „Dann ist ja das Schwerste bereits überstanden. Hätten Sie nicht Lust, auch in den Staatsdienst einzutreten?" Nein, Herr Regierungsrath," sagte er mit fester Stimme. „Als Jude hätte ich dort keine Chancen." Es lag unverkennbar etwas Absichtliches in seinen Worten und das düstere Feuer, das in seinen Augen brannte, erinnerte den Kommerzienrath plötzlich au das Aussehen seines Prokuristen, als dieser vorhin über Weilen sprach. Dieser schien die Bemerkung Hugos überhört zu haben und die Kommerzienräthin richtete irgend eine Höflichkeitsphrase an ihn, während Rita um die Erlaubniß bat, ihm eine Birne zu schälen. Ein hartes, ironisches Lächeln zog um Hugos Lippen.