Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 4 (1901)
- Article
- Beim Patriarchen
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 141 (sequence 10)
- Language
- German
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141 Rabbi Mei'r Friedländers Familie zu stammen ... ich ließ keinen Solchen über meine Schwelle." „Beruhigen Sie sich, Elkisch." „Warum soll ich mich beruhigen? Ich bin gar nicht beunruhigt. Was geht das mich an? Meinetwegen, der Herr Geheimrath muß wissen, was er thut, und die Hauptfach' bleibt, daß wir morgen 0/o geben." „Ja, Elkisch, das bleibt wirklich die Hauptfach." Um 9 Uhr präcise überreichte der Diener die Karte des Herrn Regierungsrath vr. Victor Weilen. Die Familie war in dem kleinen runden Salon, in dem man sich allabendlich zu versammeln pflegte, wenn man im engen Kreis daheim war. Der Geheimrath lehnte in einem amerikanischen Schaukelstuhl, neben sich in einem beweglichen Leseschränkchen die Abendblätter, genau in den Fächern geordnet. Er rauchte eine Henry Clay und studirte emsig den Courszettel der National-Zeitung. Frau Fanny saß am Theetisch, der mit seinem silbernen Service, der kostbar gestickten, seidenen Tischdecke und den in wundervollen alt Meißener Schalen aufgeschichteten Bäckereien und Früchten einen sehr reizenden Anblick gewährte. Der ganze Raum war erfüllt von intimem Behagen und machte trotz der Kostbarkeit seiner Ausstattung einen sehr wohligen Eindruck. Ueberall blühten aus kunstvollen Vafen frische Blumen empor und schmückten in verschiedenen phantastischen Arrangements das Zimmer. Zarte, poetische Orchideen, Crysanthenen in leuchtenden Farben, die grellen chinesischen Lilien in ihrer originellen Form und die feurigen rothen Beeren an stachlichtem Strauchwerk. Zwischen diesen Modeblumen, die liebliche Zier von Veilchen, Maiglöckchen, Rosen und Flieder unter ragenden Blattpflanzen. Diese Blumenpracht lenkte fast die Aufmerksamkeit ab von den künstlerischen Gegenständen, mit denen sonst das Zimmer angefüllt war, ohne irgendwie überladen zu wirken. Ein reicher, guter und vornehmer Geschmack zeigte sich in der ganzen Anordnung. Das -empfand auch Dr. Weilen als er den Salon betrat. Der: