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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 140

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
4 (1901)
Article
Beim Patriarchen
Date
1901-01-01
Page
Seite 140 (sequence 9)
Language
German
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140 „Muß man denn Cariere machen?" „Man will und man muß . . . warum soll man nicht wollen?" „Was fehlt dem Herrn Geheimrath?" Haben Sie etwa keine Carriere gemacht? Wenn man 1472% Dividende giebt, so ist das etwa keine Carriere? Und wenn man so eine Villa in der Thiergartenstraße hat, ist keine Carriere? Und wenn der Herr Referendar bei den Dragonern in der Garde dient, ist keine Carriere? Und die Fräulein Rita lernt nicht bei Jedlitzka auf'm Clavier spielen und bei Erich Schmidt Literatur . . . gestern hat sie's mir erst erzählt . . . Das ist keine Carriere? Ich bitt' Sie, Herr Kommerzienrath, ich sag' Ihnen das is Carriere genug. Wer kauft Menzel'n ein Bild ab und Begassen eine Büste . . . wer? Krupp und Josua Benas aus Lissa . . . Das nenn' ich Carriere." Immer tiefer redete er sich in seinen fanatischen Eifer hinein, wobei er in einen mauschelnden Ton verfiel, den er sonst fast ganz abgelegt hatte. „Es kann nicht jeder Commerzienrath werden, lieber Elkisch. Das Geldverdienen ist ja unbestreitbar eine sehr schöne Sache . . . aber es giebt auch Idealisten, die versuchen's auf andere Weise, emporzukommen ..." „Idealisten! Schöne Idealisten, die ihren Glauben verkaufen, wie Herr Weilen. Das ganze Herzogthum Posen war empört! . . . Ein Enkel von Rabbi Elieser . . . Und was will er hier in diesem Haus? Die Frau Geheimräthin wird ihm hoffentlich zeigen, wie sie über diese Menschen denkt! Mich wundert überhaupt bei ihrer Gesinnung, daß sie ihn aufnimmt." „Er kommt in Familienangelegenheiten." — „In Familienangelegenheiten?" höhnte der Alte. „Chuzpe! Vielleicht will er Sie anpumpen, das sind gewöhnlich die Angelegenheiten, in denen die Leut' sich der Familie erinnern ..." „Na, Elkisch, Sie sind ja heute wieder in großartiger Stimmung." „Meine Stimmung wird immer verdorben, wenn ich an so was denke, Herr Geheimrath. Uebrigens, wirklich, was geht's mich an? . . . Wenn ich den Sechus hätte, aus

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