Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 4 (1901)
- Article
- Beim Patriarchen
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 4)
- Language
- German
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135 die Talmudgelehrsamkeit fortgesetzt hätte. Aber zwischen einem jüdischen Gelehrten oder einem Rabbiner von heutzutage und einem Geheimen Kommerzienrath war der letztere schon vorzuziehen, und mit einem Stolze, der ihr wohl anstand und den Gatten nicht verletzte, fühlte sie sich in dem großen Adel ihrer Familie, ohne die Vorzüge zu verkennen, welche das Vermögen ihres Mannes ihr gewährte. Auch er war wie sie aus der Provinz Posen gebürtig, und das Ansehen ihres Vaters, der in der ganzen Provinz bekannt war, hatte die Austnerksamkeit von Isidor Benas in Lissa, dem Vater ihres Gatten, zuerst auf sie gelenkt. Wenn auch ihre Mitgift kleiner war, wie Benas senior sie für . seinen Sohn glaubte beanspruchen zu dürfen, fiel doch der Adel der Familie so iüs Gewicht, daß Josua um Fanny werben durste und sie zur Lebensgefährtin gewann. Kurz nach seiner Vermählung starb sein Vater. Josua verlegte das Bank- und Getreidegeschüft, dessen Mitinhaber er war, nach Berlin, und hier nahm dieses einen solchen Aufschwung, daß Josua Benas bald zu den Firmen der damals in ihrer gewaltigen Entwicklung emporwachsenden Reichshauptstadt gehörte, die bei allen finanziellen und industriellen Unternehmungen in erster Reihe standen. Bei der Begründung einer großen Bank betheiligt, im Aufsichtsrath der hervorragendsten industriellen Etablissements, wurde er schon Ende der siebziger Jahre zum Kommerzienrath ernannt und einige Jahre später als Anerkennung besonderer bei einer Waffenlieferung den: Staate geleisteter Dienste zum Geheimen. Man munkelte damals auch von einer größeren Ordensauszeichnung, doch das Gerücht fand keine Verwirklichung, und die geheime Hoffnung, die Frau Fanny vielleicht gehegt, hatte sie aufgegeben, als der seit jener Zeit innner mächtiger anwachsende Antisemitismus die den Israeliten zu Theil werdenden Ehrungen mehr und mehr beschränkte und über die geheime Kommerzienrathswürde nicht hinauswachsen ließ. „Den Verdiensten seine Krone", hatte mit zweideutiger Beziehung vor einigen Jahre:: ein bekannter Professor in ihrem Salon gesagt, als von der Ernennung eines durch nichts als durch Reichthum bekannten Bankiers zum Ge-