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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 134

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
4 (1901)
Article
Beim Patriarchen
Date
1901-01-01
Page
Seite 134 (sequence 3)
Language
German
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134 leicht gebogen, genug, um dem Gesicht das unverkennbare Rassenmerkmal ihres Volkes auszudrücken. Aber das vermochte das-Gepräge der Vornehmheit nicht zu beeinträchtigen^ durch die Frau Geheimrath Benas sich auszeichnete. Ihr rascher Blick hatte mit Befriedigung wahrgenommen, daß Alles in bester Ordnung sei in dem mit großem Luxus aüsgestatteten Arbeitszimmer ihres Gatten» Kein Stäubchen lag auf den kostbaren Broncen, die auf dem Schreibtisch, dem Kaminsims und auf Konsolen und Etageren in absichtsvoller Zwanglosigkeit umherstanden. Nicht aufdringlich und doch vielsagend erzählten sie, daß der Geheimrath ein Künstmäcen war und daß er die Werke hervorragender Meisten in rechter Auswahl um sich zu sammeln verstand. Die herrlichen Gobelins über dem Sofa,- alt. flandrische Arbeit, sahen auf die mit den Meisterwerken aller Litteraturen reich bestandenen Bücherschränke herab und auf die verschiedenen Gegenstände, die ein guter Geschmack hier zusammengetragen hatte. Mit einer gewissen Zärtlichkeit aber haftete der Hausfrau Blick auf einigen altertümlichen Silbergeräthschaften, die sich wunderlich unzeitgemäß in diesem stilvoll eingerichteten Zimmer ausnähmen. Erbstücke aus ihrem Elternhause in Rogasen, wo ihr Vater, Samuel Friedheiw, Reb Salme Friedheim genannt, eine angesehene Stellung eingenommen hatte. Den Kiduschbecher dort, die Psomimbüchse, die Menora und die große silberne Sederschüssel hatte ihr seliger Vater benutzt und vor den silbernen Leuchtern hatte ihre verstorbene Mutter die Lichter „gebenscht". Der Vater, ein fleißiger, aber nicht sonderlich mit Glücksgütern gesegneter Wollhündler, war ein Talmudgelehrter gewesen, würdig, die Urenkelin des berühmten Rabbi Meir Friedländer zu heiraten, dessen Schüler er selbst einst gewesen. Die Würde dieser Abstammung trug Frau Fanny Benas unbewußt stets zur Schau, und sie fand es ganz selbstverständlich, daß ihr Leben sich in den Sphären vollzog, die den modernen Inder: Bedeutung und Stellung geben, in den Kreisen der harne finance. Der Schwiegersohn von Reb Salme Friedheim, der Mann der Urenkelin von Rabbi Meir Friedländer, konnte nichts anderes sein als ein Geheimer Kommerzienrath, wenn er nicht etwa selbst

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