Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1901-01-01 · 4 (1901) · p. Seite 133

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
4 (1901)
Article
Beim Patriarchen
Date
1901-01-01
Page
Seite 133 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3111067-3111074-3111911--1083-3112056
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

133 „Schon 5 Uhr! Elkisch soll um 5V2 Uhr bei mir sein." Der Diener verneigte sich. Als er im Begriff war, das Zimmer zu verlassen, rief er ihm noch nach: „Ist der Herr Referendar zu Hause?" „Nein, Herr Geheimrath." „Und meine Tochter?" „Das gnädige Fräulein ist mit Mademoiselle Tallieu in die Klavierstunde zu Professor Jedlitzka gefahren". . . „Hm! So! Schon gut! Also bestellen Sie Herrn Elkisch meinen Auftrag, Franz!" In diesem Augenblick trat eine vornehm aussehende ältere Dame in das Zimmer. „Störe ich, Jo?" Er machte dem Diener eine entlassende Geberde. „Nein, liebe Fanny. Wenn Dir mit einer halben Stunde gedient ist, dann erwarte ich Elkisch. Also um 5Vs Uhr, Franz!" Dieser entfernte sich ebenso geräuschlos, wie er gekommen war, und der Geheime Kommerzienrath Josua Benas und seine Frau waren allein. Ihr Blick glitt mit hausfräulicher Sorgfalt durch den Raum. Der große Reichthum, in dem sie lebten, hatte die traditionellen Gewohnheiten ihrer in's Einzelne gehenden Wirthschaftlichkeit nicht beeinträchtigt. Von ihrer Mutter hatte sie es gelernt, das Haus mit liebevoller Fürsorge zu behüten, den wachsenden Wohlstand zu pflegen und ein scharfes Auge, eine sorgsame Hand für all' die schönen und werthvollen Gegenstände zu haben, mit denen Kunst- und Erwerbssinn ihr Heim schmückten. Die zahlreiche Dienerschaft war gut geschult und tüchtig, dennoch ließ Frau Fanny es sich nicht nehmen, das Hauswesen persönlich zu leiten und auf Allem ihre wachsamen Blicke ruhen zu lassen. Ihre Erscheinung aber verrieth nichts von diesen Gepflogenheiten. Sie war 49 Jahr alt. Ihr dunkles, nur von einigen grauen Fäden durchzogenes Haar trug sie wohlsrisirt über einer etwas hohen Stirn, der breite Mund mit den gut erhaltenen Zähnen und das volle Doppelkinn gaben dem Antlitz einen Zug von Energie, der aber durch gütig und klug blickende Augen gemildert wurde. Tie Nase war

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.