Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 4 (1901)
- Article
- Ein altes Symbol in neuer Beleuchtung
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3111067-3111074-3111910--1069-3112043- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
120 einer gnostischen Sekte. In Zauberschriften des christlichen Mittelalters kehrt es unzählige Male wieder. Der deutsche Volksglaube kennt es neben dem als „Drudenfuß", was beiläufig einen findigen Kopf auf die Kombination: dawid (in magen dawid „Dawidsschild") durch Weglassung des r aus drud gebracht hat. In der Alchimie bezeichnet vereinfacht als Stern (®), den Stein der Weisen,*) als das Steinmetzzeichen (&:) haben es die Freimaurer in ihr Wappen ausgenommen, und König Johannes von Abessinien machte es 1874 zum „Orden vom Siegel Salomonis." Selbst als architektonische Zierath ist das £x kein spezifisch jüdisches Zeichen. Der spätromanische Baustil verwendet es mit Vorliebe als Fassadenrosette, und seit dem frühen Mittelalter findet es sich an den Giebeln von Backsteinbauten, so heute noch an den Domen zu Brandenburg und zu Stendal, an der Marktkirche zu Hannover, in Lüneburg u. s. w. Sein Gebrauch als Aushängeschild an Wirthshäusern soll darauf zurückzusühren sein, daß die Pythagoräer auf ihren Bettelreisen jedes Haus, in welchem sie gastliche Aufnahme gefunden, dem Nachfolger durch das ti bezeichnet haben. Somit begegnet uns dieses Zeichen seit dem frühen Mittelalter an den verschiedensten Orten und in den mannigfachsten Beziehungen außerhalb des Judenthums. Daß das nicht von jeher als jüdisches Symbol in Gebrauch war, bezeugen die älteren literarischen und Kunstdenkmäler des Judenthums. Ob die Darstellung des „heiligen Geistes" in der Taube Matth. 3, 16 einer Anschauung des hebräischen Alterthums entspringt, und ob wir in der Taube am Tempel der Samaritaner, die ja sonst freilich durch Beibehaltung der alten hebräischen Schrift, der alten Altarform *) Außer dem gilt auch der Pelikan als Zeichen für den Stein der Weisen. Dem Wasser, welches das Feuer erzeugt (s. unten), gleicht der Pelikan, welcher, wie im Siegel der Amsterdamer Gemeinde, feine Brut mit seinem eigenen Blute speist. Den Siegeln der beiden alten Gemeinden Prag und Amsterdam scheint somit die gleiche symbolische Bedeutung zu Grunde zu liegen.