Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 4 (1901)
- Article
- Meyer Aaron Goldschmidt
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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103 llnterdrückungslnst, er bekämpfte in seinen Artikeln ihre Politik, er enthüllte sie in seinen Romanen; sein großer Roman „Heimatlos" ist vor allem ein Denkmal und ein Schandpfahl, den er über ihr Wesen und Treiben erhebt. Seine Zeitschrift „Nord und Süd" wird von Niemand übergangen werden können, der diese Partei in ihrem wirklichen Wesen schildern will. Goldschmidts Anlagen haben sich in diesen! Kampfe entfaltet und entwickelt. Um den Nationalliberalismus zu treffen, näherte er sich zu dieser Zeit der Landwirtspartei und erstrebte ein gemeinsames Vorrücken, das jedoch an der damals überlegenen Stärke der Nationalliberalen scheiterte. Während dieser langwierigen Fehde hat er eine nicht geringe Hartnäckigkeit an den Tag gelegt. Er wurde vom Rechtsbewußtsein getragen. Hin und wieder bewies er in seinem Leben einen nicht geringen politischen Mut; wie er z. B. zur Zeit der Volksstimmung hetzte und allein gegen die Einverleibung Schleswigs anftrat. Aber er wollte keine Früchte aus seinen Feldzügen ernten, denn gerade als die Partei im Rückgänge war, brach Goldschmidt seltsamer Weise zusammen. Müde des Kampfes, suchte er Ende der sechziger Jahre Frieden und Vergleich mit den zwei dänischen Großmächten, dem „Vaterland" und dem „Tageblatt". Er hatte sich schon mehrere Jahre des politischen Tagesstreites enthalten. Er begann seine größte dichterische Wirksamkeit zu entfalten: in wenigen Jahren schrieb erden „Erben", den „Raben" und eine ganze Reihe vorzüglicher, teils mustergültiger Novellen, darunter „Maaser" und „Liebesgeschichten ans vielen Ländern"; er bedurfte der Ruhe, um sie herauszugeben. Es gelang ihm auch, das Lob der augenblicklichen Machthaber zu erlangen, und die Folge war, daß seine Bücher Aussehen erregten und gekauft wurden. Aber die jüngere Generation, die ihn sich plötzlich an Plong anschließen, ihn mit einem Kritiker fraternisieren sah, der ihn bisher mit größter Ausdauer verfolgt hatte, wurde von diesem mangelnden Zusammenhang in seinem Leben' und Streben peinlich berührt. Er wäre, als sich das Blatt drehte und die Bewegung gegen die Nationalliberalen zunahm, deren natürlicher Führer gewesen. Aber er hatte seine Aussichten verspielt und zog sich von da ab ganz aus dem öffentlichen Leben zurück. Er trat jetzt nur als