Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 4 (1901)
- Article
- Jüdische Märtyrer im christlichen Kalender
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 14)
- Language
- German
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83 die Lieblingslektüre der Trauertage des Monates Ab. Und sowie man in der griechischen Periode die Rhetorik der hellenistischen Philosophie in den Mund der jungen Märtyrer und ihrer Mutter legte, ebenso erstand bei den die Dichtkunst liebenden und pflegenden Juden Bochara's ein Schriftsteller, der die Märtyrer - Brüder und ihre Mutter in der Sprache Firdosi's und mit den wirkungsvollen Wendungen und Bildern der persischen Poesie reden ließ. Am Ende des siebzehnten Jahres verfaßte Joseph b. Isaak, den man auch Jussuf Jehudi (Joseph der Jude) nannte — denn er war auch in nichtjüdischen Kreisen als Dichter geschätzt — eine größere Dichtung unter dem Titel: Die sieben Brüder.^) Die Reden der sieben Märtyrer und ihrer Mutter bilden den hauptsächlichen Inhalt des Werkes. Ein geringer Theil der Reden, sowie die dieselben verknüpfenden Erzählungen sind in Prosa geschrieben, das Uebrige in Versen. Hier und da finden sich einzelne hebräische Sätze in dem interessanten Werke, welches vermutlich zur öffentlichen Verlesung und zwar an dem Trauertage der Zerstörung Jerusalems und des Tempels bestimmt war. In derjenigen Handschrift der Dichtung, welche ich benutzte, leitet den den zweiten Bruder betreffenden Theil folgende Weisung in hebräischer Sprache ein: „Ueber den Zweiten, laut zu sagen. "3S) Im Schlußabschnitte erwähnt der Dichter, daß er „am Mittwoch, dem achten Ab, das Schreibrohr niedergelegt habe." Er beendete also seine Dichtung am Vorabende des neunten Ab. Ihre Grundlage bildet die oben erwähnte Stelle des Midrasch zu den Klageliedern und demgemäß sind die in ihr verherrlichten Märtyrer die Opfer der römischen Verfolgung.^) Die persische Dichtung des 37) Persisch: Heft BirnderLn, oder: Heft DLderan. Hebräisch: Schibea Achim. Üeber das Gedicht und seinen Verfasser s. meine Mittheilungen in Z. d. D. M. G. LIII, 395. 38) Al ha-schmi bekol räm. 39) Die Mutter heißt Marjam bath Nachum (= Tanchum); der Tyrann Kaisar, d. h. Kaiser. In den von Gaster edirten Maasijoth (s. oben) heißt der Tyrann „Kesar ha-melech" (der König Kesar); das den Kaisertitel bezeichnende Wort ist also zum Eigennamen geworden. 6»